Sanazon
Die Sanazon-Therapie verbindet Eigenblut, Ozon und homöopathische Komplexmittel. Nach Angaben der Gifhorner Heilpraktikerin Sabine Linek sollen damit auch schwere Erkrankungen beeinflusst werden können. Wissenschaftliche Belege existieren nicht, Gerichte untersagten bestimmte Werbeaussagen.
Methodenzusammenstellung und diagnostisches Vorgehen

Kern der Sanazon-Therapie ist eine Mischung aus Eigenblutbehandlung, Ozontherapie, Homöopathie, Isopathie und spagyrischen Ansätzen. Die Initiatorin, die 1959 geborene Heilpraktikerin Sabine Linek, entnimmt dem Patienten einen Kapillarbluttropfen, den sie unter einem Dunkelfeldmikroskop rund 1.700-fach vergrößert. Nach der Beobachtung wird das abgesaugte Blut außerhalb des Körpers ozonisiert und dem Betroffenen anschließend in drei aufeinanderfolgenden Injektionen verabreicht. Parallel setzt Linek homöopathische Komplexpräparate, deren genaue Zusammensetzung sie nicht offenlegt. Als ergänzende Verfahren nutzt sie Irisdiagnostik und einen Blutausstrichtest, der auf Hannelore Auras-Blank zurückgeht. Die Methode beansprucht, aus der mikroskopischen Struktur des Blutes Rückschlüsse auf einzelne Organe zu ziehen. Linek beschreibt, dass sie im Dunkelfeldbild etwa „den gesamten Körper“ erkenne – von Kopf und Ohren über Lunge, Leber, Milz und Gliedmaßen – sofern ein Organ mangelhaft arbeite. Dabei behauptet sie, stets seitenrichtig zuorden zu können: Erscheint im Okular eine Auffälligkeit auf der linken Seite des Gesichtsfeldes, interpretiert sie dies als Befund an der linken Körperseite. Kritiker verweisen darauf, dass handelsübliche Lichtmikroskope Objektträger nur quer zum Betrachter einspannen, wodurch eine derartige Zuordnung praktisch unmöglich ist. Weder für die diagnostische Deutung einzelner Blutstrukturen noch für die therapeutische Wirkung des Gesamtverfahrens liegen Studien in anerkannten Fachjournalen vor.
Krankheitsbilder, für die ein Nutzen behauptet wird

In älteren Internetauftritten und dem 2012 erschienenen Buch „Dein Blut lügt nicht“ werden zahlreiche Leiden genannt, bei denen Sanazon-Behandlungen angeboten wurden. Die Liste reicht von Bluthochdruck, Gicht, Allergien und Asthma über bakterielle und virale Infektionen einschließlich MRSA bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen, Schlaganfall, Depressionen und grauem Star. Auch Krebserkrankungen, Borreliose und Schmerzzustände wurden in diesem Zusammenhang erwähnt. Nach Angaben von Patienten kostet eine vollständige Serie mehrere tausend Euro; zusätzliche „Auffrischungen“ werden separat berechnet. Die Heilpraktikerin betreibt Praxen in Gifhorn, Bad Griesbach (Hotel Columbia) und Travemünde. In einem Fernsehbeitrag des Senders stern TV („Alternative Krebstherapien: Das Geschäft mit der Hoffnung“, 8. Februar 2024) berichteten Betroffene, sie seien aufgrund von Online-Videos und Ratgeberbüchern zu Linek gekommen, weil sie für Tumorerkrankungen zusätzliche Optionen suchten. Ob die Therapie tatsächlich den diagnostizierten Krebs oder eine begleitende Infektion zum Gegenstand hatte, geht aus den Interviews nicht eindeutig hervor.
Gerichtliche Untersagungen und Abmahnverfahren

Bereits 2009 geriet die Werbung für Sanazon ins Visier des Vereins Sozialer Wettbewerb (VSW). Der Verband monierte, es würden Heilversprechen ohne wissenschaftliche Evidenz gemacht. Das Landgericht Hildesheim untersagte in einem Urteil (Az. 11 O 19/09) bestimmte Indikationsangaben, darunter die Behandlung von Herz-Kreislauf-Leiden, Schlaganfällen, Thrombosen und Augenerkrankungen. Die Kammer stellte klar, dass ein Hinweis „schulmedizinisch nicht gesichert“ die Irreführung nicht aufhebe, wenn eine therapeutische Wirkung suggeriert werde, die nachweislich nicht bestehe. Nach dem Rechtsstreit musste Linek ihre Webauftritte umgestalten. Dennoch wurde die Ausbildung „SanaZon-Therapeut“ an einer Kölner „Dunkelfeld-Akademie“ weiter beworben; angekündigt wurden Wochenendkurse, in denen angehende Heilpraktiker das Diagnose- und Behandlungsschema erlernen können. Auch nach den gerichtlichen Vorgaben tauchte 2012 in einer Schweizer Kleinanzeigen-Plattform ein Inserat auf, das Lizenzrechte für „Sanazon-Heilmittel“ mit einer behaupteten 90-prozentigen Heilungsquote bei Krebs gegen Höchstgebot anbot. Der Verkäufer blieb anonym, eine Transaktion sollte über Notar abgewickelt werden. Ob es zu einem Handel kam, ist nicht bekannt.
Patienten schildern teils positive, teils enttäuschte Erfahrungen
Auf Bewertungsportalen finden sich unterschiedliche Stimmen. Einige Nutzer berichten von freundlichem Praxispersonal und subjektiver Besserung nach Laserlichttherapie in Kombination mit Sanazon-Injektionen. Andere äußern deutliche Kritik: Sie hätten mehrere tausend Euro für Spritzen gezahlt, ohne Kenntnis der enthaltenen Wirkstoffe, und keine spürbare Linderung erlebt. Mehrere Personen mit Krebsdiagnosen schreiben, die Dunkelfeldmikroskopie habe Tumore oder Metastasen nicht erkannt; erst später gestellte MRT- oder CT-Befunde bestätigten fortgeschrittene Erkrankungen. Die verlorene Zeit habe ihnen Behandlungsoptionen in der Schulmedizin genommen. Wiederholt wird moniert, dass Linek in den Hauptpraxen selten persönlich erscheine und Behandlungen von angestellten Kolleginnen durchgeführt würden. Preiserhöhungen würden ohne nachvollziehbare Begründung vorgenommen, während die verabreichte Ozonmenge sinke. Positive wie negative Berichte sind Einzelfallbeschreibungen und lassen keine statistisch gesicherten Aussagen über Erfolgsquoten zu.
Verbreitung über Medienprodukte und Lizenzgeschäfte
Neben Praxisarbeit und Seminaren vermarktet Linek ihr Konzept über ein Buch beim Mankau Verlag sowie über Tonträger. Der Musiker Michael Reimann, der sich als Patient vorstellt, produzierte eine „Praxis-CD“, deren Kompositionen angeblich „die Schwingungen von Sauerstoff und Vitamin C“ enthalten und den Heilungsprozess „auf psychischer Ebene“ unterstützen sollen. Die Rezeption in Fachkreisen blieb gering; lediglich regionale Tageszeitungen und das Esoterik-Magazin „Fliege“ berichteten wiederholt über Linek. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sowie wissenschaftliche Fachgesellschaften für Laboratoriumsmedizin äußerten sich öffentlich nicht zur Sanazon-Methode. Die Marken „Sanazon“ und das zugehörige Logo sind beim Deutschen Patent- und Markenamt unter den Registernummern 30530095 und 30530096 geschützt; eine internationale Wortmarke wurde 2008 beim WIPO hinterlegt. Ob und wie Lizenzgebühren für die Nutzung des Begriffs erhoben werden, ist nicht dokumentiert.
Zitate
SanaZon® kann das Blut zurück in einen besseren Zustand entwickeln und sorgt so für eine effektivere Behandlung durch eine bessere Fließfähigkeit des Blutes. — Webpräsenz sanazon.de (historisch)
Veröffentlichungen
- Sabine Linek: Dein Blut lügt nicht. Meine Heilarbeit mit der Dunkelfeldmikroskopie. Mankau Verlag, 2012
Einzelnachweise
- Urteil des Landgerichts Hildesheim, Az. 11 O 19/09, 4. November 2009