Nikola Tesla
Nikola Tesla prägte die Elektrifizierung der Welt wie kaum ein anderer. Seine Wechselstromsysteme setzten sich gegen Edisons Gleichstrom durch, doch auch abgelebte Studienjahre, ein verlorenes New Yorker Labor und spätere Esoterik-Mythen gehören zu seiner Biographie.
Herkunft, Jugend und abgebrochenes Studium

Nikola Tesla wurde am 10. Juli 1856 in Smiljan geboren, einer serbischen Militärgrenzsiedlung im damaligen Kaisertum Österreich, heute Kroatien. Sein Vater Milutin war Priester der serbisch-orthodoxen Kirche. 1862 zog die Familie nach Gospić, 1871 nach Karlovac, wo Tesla das Gymnasium mit der Matura abschloss. Ohne je ein Studium in Serbien aufgenommen zu haben, immatrikulierte er sich 1875 an der Technischen Hochschule Graz. Nach anfänglich guten Leistungen verlor er das Interesse, reduzierte seine Fächerzahl und ließ sich von der k.u.k. Armee für das zweite Studienjahr finanzieren, musste dafür jedoch acht Jahre Militärdienst zusagen. Gerüchten zufolge verspielte er Teile des Geldes; 1877 wurde er exmatrikuliert, ohne einen Abschluss erworben zu haben. Danach fand er in Maribor eine Stelle als Maschinenbauer, wurde dort aber 1879 wegen Spielens in Lokalen polizeilich verwiesen. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er nach Gospić zurück und arbeitete als Aushilfslehrer. Später hörte er in Prag einige Vorlesungen als Gasthörer, ohne sich formell einzuschreiben oder Prüfungen abzulegen.
Europa-Jahre: Telegrafie und erste Wechselstromideen

1881 vermittelte ein Onkel Tesla eine Anstellung bei Tivadar Puskás, Thomas Edisons europäischem Vertreter in Budapest. Dort baute das Unternehmen ein Telegrafennetz; Tesla arbeitete als Zeichner und verdiente wenig. In dieser Zeit entwickelte er erste theoretische Überlegungen zu Wechselstrommotoren, litt jedoch unter gesundheitlichen Problemen, die er als „Nervenzusammenbruch“ mit extremer Geräuschempfindlichkeit beschrieb. Ende 1882 ging er mit einer Empfehlung Puskás’ nach Paris zur Continental Edison Company von Charles Batchelor. Dort war er unter anderem für die elektrische Beleuchtung des Straßburger Bahnhofs zuständig; 1883 konstruierte er in Straßburg einen funktionsfähigen Asynchronmotor-Prototyp. Mit weiteren Empfehlschreiben entschloss er sich 1884 zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten.
USA: Edison, Westinghouse und der Wechselstromdurchbruch

Im Juni 1884 traf Tesla in New York ein, stieg sofort bei Edison ein und arbeitete dort rund ein halbes Jahr. Eine Anekdote will wissen, Edison habe ihm 50.000 Dollar für die Verbesserung eines Gleichstrommotors versprochen und die Zahlung anschließend als „amerikanischen Scherz“ abgetan; danach trennten sich die Wege. Tesla schlug sich als Bauarbeiter durch und gründete 1886 mit zwei Partnern die Tesla Electric Light & Manufacturing Company in Rahway, die jedoch noch im selben Jahr Konkurs ging. Zwischen 1886 und 1891 meldete er mehr als hundert Patente an, darunter das US-Patent 447.920 für eine Bogenlampe. 1887 stellte er dem American Institute of Electrical Engineers sein Wechselstromsystem vor. Ein Vertrag mit George Westinghouse sicherte ihm Vorauszahlungen und Lizenzen; gemeinsam wollten man die neue Technik gegen Edisons etablierten Gleichstrom durchsetzen. Tesla konzentrierte sich zunächst auf ein- und zweiphasige Hochfrequenzsysteme (125 Hz, 133 Hz), scheiterte jedoch mit einem marktreifen Induktionsmotor. Nachdem die AEG 1891 mit dreiphasigen Dobrovolsky-Motoren Erfolg hatte, stieg auch Westinghouse 1892 in diese Technik ein – ohne Teslas weitere Beteiligung. In den sogenannten Stromkriegen setzte sich letztlich der Wechselstrom wegen seiner besseren Übertragbarkeit über große Entfernungen durch.
Hochfrequenzexperimente, Radiotechnik und Colorado Springs
Nach dem Verkauf weiterer Patente an Westinghouse eröffnete Tesla 1897 ein eigenes Labor in der South Fifth Avenue, das 1895 bei einem Brand vollständig zerstörte – ohne Versicherungsschutz. Er gab einen Schaden von 50.000 Dollar an. Ab 1899 verlegte er seine Versuche für acht Monate nach Colorado Springs, wo er in 1.900 m Höhe ein eigens errichtetes Holzlabor mit einer bis zu 35 Meter hohen Antenne betrieb. Dort erzeugte er mit rotierenden Wechselrichtern und großen Teslaspulen Hochspannungsimpulse, die er auf bis zu zwölf Millionen Volt bezifferte; meterlange Koronaentladungen waren die sichtbaren Folgen. Mit rotierenden Kohären-Empfängern behauptete er, Signale aus dem All – möglicherweise vom Mars – empfangen zu haben. 1900 kehrte er nach New York zurück, ließ die Anlage jedoch zurückbauen. Parallel kämpfte er um Patente zur drahtlosen Telegraphie; nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit Guglielmo Marconi blieb diesem 1904 das entscheidende US-Patent zuerkannt, obwohl Teslas Priorität später teilweise gerichtlich bestätigt wurde.
Späte Jahre, obskure Projekte und Nachlass
Nach 1920 verzeichnete Teslas Werk nur noch vereinzelte Patente; das Interesse der Öffentlichkeit nahm ab. 1922 gab er sein Labor auf. In den folgenden zwei Jahrzehnten lebte er zurückgezogen im Hotel „New Yorker“, entwickelte Konzepte für „Todesstrahlen“, Gedankenlesegeräte oder ein „Teslascope“ und äußerte sich ablehnend zur Relativitätstheorie. 1936 verlieh ihm die TU Graz sowie die Technische Universität Prag je eine Ehrendoktorwürde – ein Titel, der keinen akademischen Grad ersetzt. Aus Jugoslawien erhielt er ab 1936 eine lebenslange Rente von jährlich 7.200 Dollar. 1937 wurde er von einem Taxi angefahren und verbrachte die letzten zehn Jahre schwer krank im Zimmer 3327. Am 7. Januar 1943 starb er mit 86 Jahren an Herzversagen, hochverschuldet und weitgehend verarmt. Da die USA seit 1941 im Krieg standen, beschlagnahmte der „Alien Property Custodian“ seinen Nachlass; 1951 fiel die Hinterlassenschaft durch Gerichtsbeschluss seinem Neffen Sava Kosanović zu, der sie nach Belgrad in das heutige Tesla-Museum überführte.
Erfindungen, Patente und wissenschaftshistorische Einordnung
Tesla hinterließ zwischen 116 und 700 Patente – die Bandbreite entsteht, weil nationale Parallelanmeldungen unterschiedlich gezählt werden. Als technisch einflussreich gelten seine Verbesserungen am Zweiphasen-Wechselstrom, der erste betriebsfähige Mehrphasengenerator sowie frühe Asynchronmotoren. Er konstruierte eine scheibenläufige Turbine und experimentierte an Leuchtstoffröhren. Die nach ihm benannte Teslaspule wird heute in der Hochfrequenztechnik und in der Unterhaltungselektronik verwendet. 1960 erhielt die SI-Einheit der magnetischen Flussdichte das Kurzzeichen „T“; das Erdmagnetfeld erreicht etwa 50 Mikrotesla, moderne Kernspintomographen über neun Tesla. Teslas Rolle bei der Einführung des Drehstroms und der drahtlosen Übertragung ist unbestritten, doch werden ihm in populären Darstellungen oft auch Leistungen zugeschrieben, die auf Vorarbeiten anderer Erfinder aufbauen oder in der Folgezeit weiterentwickelt wurden. Seine späteren Thesen zu Äther, Longitudinalwellen und freier Energie finden heute in esoterischen Kreisen Verbreitung, stehen jedoch außerhalb etablierter Physik.
Weblinks
- Tesla-Museum in Belgrad
- Autobiografie „My Inventions“ (PDF)
- Liste bekannter Tesla-Patente (engl.)
- Sparkmuseum: Geschichte des Elektromotors
- Aufbau und Funktion einer Tesla-Spule
Einzelnachweise
- Zum Studienabbruch vgl. Briefwechsel des Rektorats der TU Graz mit der k.u.k. Armee, zitiert bei Cheney, Margaret: Tesla – Man Out of Time, Dorset Press 1989, S. 10.
- Brand im Labor: New York Times, 14. März 1895.
- O'Neill, John J.: Prodigal Genius – The Life of Nikola Tesla, Neville Spearman, London 1968.