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Das offene Wiki zur kritischen Einordnung von Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen und Desinformation im deutschsprachigen Raum — 401 Artikel mit transparenten Quellen und dokumentiertem Korrekturrecht.

LifeWave

Aus Faktenradar

LifeWave vertreibt seit 2002 über ein Netzwerk von unabhängigen Distributoren Pflaster, Nahrungsergänzungen und Elektrosmog-Schutzhüllen. Das Unternehmen verspricht schmerzlindernde, entgiftende und leistungssteigernde Effekte – ohne pharmakologisch wirksame Stoffe. Eine Übersicht über das Portfolio, die behaupteten Wirkmechanismen und den Stand der Forschung.

Gründung, Struktur und Vertriebsweg

Gründung, Struktur und Vertriebsweg

Die LifeWave Inc. mit Hauptsitz in San Diego, Kalifornien, wurde 2002 von David Schmidt gegründet. Schmidt bezeichnet sich selbst als Erfinder und hält einen Ehrendoktortitel der „International Hall of Fame“, verliehen von einem privaten Erfinderverein mit Postfachadresse in Atlanta. Einschlägige Datenbanken führen kein genehmigtes Promotionsverfahren; einige Quellen nennen einen Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre. LifeWave bedient sich ausschließlich des Multi-Level-Marketing: Die Gesellschaft liefert nicht an Endkunden, sondern an selbstständige „Independent LifeWave Distributors“, die ihrerseits Kunden und neue Vertriebspartner akquirieren. Die Produkte werden ergänzend über Webportale wie QS24 angeboten, die sich als „Gesundheitsanalysedienste“ verstehen. Die Verdienstmodelle basieren auf Direktverkauf und der Gewinnbeteiligung an nachgeschalteten Ebenen. Die Firmenleitung wirbt gleichermaßen für den Produktkauf wie für die Aufnahme neuer Händler, was typische Kennzeichen eines Schneeballsystems sind.

Produktpalette von Pflaster bis Handyhülle

Produktpalette von Pflaster bis Handyhülle

Das Kerngeschäft bilden Klebe-Pflaster in verschiedenen Farb- und Konfigurationsvarianten. „Energy Enhancer“ beansprucht eine steigernde Wirkung auf Ausdauer und Energie, „IceWave“ wird zur lokalen Schmerzlinderung empfohlen, „Silent Nights“ soll den Schlaf verbessern, „SP6 Complete“ den Appetit zügeln und „Y-Age Glutathione“ die körpereigene Entgiftung unterstützen. Für Reitsportler gibt es „AcuLife“ zur Schmerzlinderung bei Pferden. Ergänzend vertreibt LifeWave Nahrungsergänzungsmittel („Theta Nutrition“, „Maveric“ für Männergesundheit) sowie die Handyhülle „Matrix 2“, die angeblich 85 % der „Strahlung“ reduziert, ohne die Sprachqualität zu beeinträchtigen. Alle Pflaster sind frei von deklarierten Arzneistoffen; laut Hersteller enthalten sie lediglich „organische Kristalle“, Zuckerderivate und Aminosäuren, die zwischen zwei Kunststofffolien versiegelt seien.

Behauptete Wirkprinzipien: Licht, Biophotonen und Energiefelder

Behauptete Wirkprinzipien: Licht, Biophotonen und Energiefelder

LifeWave erklärt die angeblichen Effekte mit der Aussendung von „Informationen“ durch infrarotes und sichtbares Licht. Die Kristalle im Pflaster würden durch Körperwärme aktiviert und reflektieren ein spezifisches Spektrum, das wiederum die Zellen „anregt“. Da keine Wirkstoffe freigesetzt werden, bedient sich das Unternehmen Begriffen wie Biophotonik, Nanotechnologie und Akupunkturmeridianen. In einer nicht erteilten Patentanmeldung aus dem Jahr 2003 beschreibt Schmidt ein „biomolekulares Trägermaterial“, das mit einem hypothetischen „thermomagnetischen Energiefluss“ des Körpers interagiert. Als mögliche Inhaltsstoffe nennt das Dokument L-Glutamin, Carnitin oder ein Gemisch aus Honig und Sirup. Ob diese Rezepturen in den aktuellen Produkten verwendet werden, ist offen, da die Patentangaben keine verbindliche Formel vorschreiben. Die Firma weist zudem darauf hin, dass die Pflaster „ähnlich wie ein Mobiltelefon“ ein elektromagnetisches Feld des Körpers nutzen, um Signale zu übermitteln.

Studienlage und wissenschaftliche Rezeption

LifeWave listet auf seinen Webseiten über vierzig Publikationen, darunter Kongressbeiträge, Präsentationen und Zeitschriften ohne Peer Review. Die medizinische Fachdatenbank Medline weist lediglich einen Tagungsabstract aus dem Jahr 2005 aus, in dem der Ingenieur Homer Nazeran die Pflaster als „nanoscale semiconducting biomolecular antennas“ beschreibt. Die untersuchte Pilotstudie umfasste zehn gesunde Probanden, war weder verblindet noch randomisiert und verwendete die Herzfrequenzvariabilität als Zielparameter; statistische Signifikanztests oder Kontrollgruppen fehlen. Eine 2013 von Dermscan durchgeführte Doppelblindstudie mit 100 Personen berichtet für „IceWave“ eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo. Der vollständige Studienbericht liegt nicht in einer anerkannten Fachzeitschrift vor; Methodik, Effektstärke und Dauer der Wirkung bleiben unklar. Weitere Autoren, die LifeWave-Daten veröffentlicht haben, sind der Alternativmediziner Karl Maret, der italienische Psychiater Danilo Toneguzzi sowie der selbsternannte „Quantenbiologe“ Glen Rein, der in einem nicht begutachteten Beitrag ein „Energiefeld“ postuliert, das DNS-Moleküle beeinflussen könne. Eine unabhängige Replikation dieser Experimente liegt bisher nicht vor.

Rechtliche Rahmenbedingungen und gesundheitspolitische Einordnung

In Deutschland fallen Gesundheitsversprechen unter das Heilmittelwerbegesetz, das krankschaftsbezogene Werbung für nicht zugelassene Produkte untersagt. Die Veröffentlichung von Patienten-Danksagungen auf der LifeWave-Seite verstößt ebenfalls gegen gesetzliche Vorgaben. Die Schweizer Fachstelle für Alternativmedizin kam 2014 zu dem Schluss, dass „keine belegten gesundheitlichen Effekte“ der Pflaster nachweisbar seien. Auch das österreichische Portal „medizin-transparent“ stufte LifeWave als „klassisches Wellness-MLM mit pseudowissenschaftlichem Anstrich“ ein. Die Kooperationen mit dem Roten Kreuz, die das Unternehmen in Italien (L’Aquila 2009) und Haiti (2010) publik machte, betrafen Spenden einzelner Pflaster-Pakete; eine wissenschaftliche Evaluation der Hilfsaktionen erfolgte nicht. Nach Angaben des US-Anti-Doping-Agency mussten 2004 einige US-Olympioniken die Verwendung der Pflaster stoppen, bis deren Dopingfreiheit geklärt war – ein Hinweis, dass unabhängige Stellen potenzell pharmakologische Effekte nicht ausschließen konnten.

Weblinks

  1. medizin-transparent.at: Die perfekte Welle?

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. US-Patentanmeldung US 2004/0057983 A1, David Schmidt, 25. Sept. 2003 (nicht erteilt)
  2. SGS-Prüfbericht 2681815EMC01 zur SAR-Reduktion von Matrix 2