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Karl-Wilhelm Schneider

Aus Faktenradar

Der ehemalige Religionslehrer Karl-Wilhelm Schneider zählt zu den bekanntesten Aktivisten der sogenannten Reichsbürger-Szene. Wegen Volksverhetzung verurteilt, verbreitet er seit Jahren alternative Geschichtskonstruktionen und leugnet systematisch den Holocaust.

Von der Schule in die Gerichtssäle

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Karl-Wilhelm Schneider, geboren am 3. März 1953 in Siegen und bislang in Birkheim (Rheinland-Pfalz) gemeldet, arbeitete lange als Gymnasiallehrer für Religion. Nachdem ihm ein „einstweiliges Berufsverbot“ auferlegt worden war, bezeichnete er sich als „Preußischer Rechtskonsulent“ und veröffentlichte zahlreiche Schriften, in denen er die Bundesrepublik als „alliiertes Geisellager“ bezeichnet. Bereits 2003 verbreitete er das Pamphlet „Oh Holocaust, wie haste Dir verändert!“, das 2004 Hausdurchsuchungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen nach sich zog. Im Juli 2008 verurteilte ihn das Landgericht Koblenz wegen Volksverhetzung; die Revision blieb 2009 erfolglos [1]. Internetberichten zufolge wurde Schneider 2013 erneut festgenommen, weil er den Hitlergruß verwendet haben soll. Sein angeblicher Tod im Dezember 2020 ist bislang nicht amtlich bestätigt.

Neuschwabenland, Spargel auf dem Mond und Kalenderfälschung

Neuschwabenland, Spargel auf dem Mond und Kalenderfälschung

Neben seiner Holocaust-Leugnung vertritt Schneider eine eigenwillige Mischung aus Esoterik und Geschichtsrevisionismus. Er behauptet, im antarktischen Neuschwabenland existiere eine unterirdische Hauptstadt „Neu-Berlin“, die nach 1945 von 40.000 auf zwei Millionen Einwohner angewachsen sei. Die USA, so eine weitere These, würden Deutschland mittels Hedge-Fonds entindustrialisieren und die Bevölkerung durch versteckte Sterilisierungsprogramme ausrotten – eine angeblich fortgesetzte Umsetzung der 1947 aufgegebenen Morgenthau-Plan-Direktive JCS 1067 [2]. Schneider leugnet zudem die Existenz des HI-Virus, hält die Relativitätstheorie für widerlegt und produzierte für den Berliner Offenen Kanal Sendungen mit Titeln wie „HIV ist gut für Dich, Kondome sind gefährlich!“. Besonders exzentrisch ist seine Chronologiekritik: Unter Berufung auf „Kalenderfälschungen“ rechne er 297 erfundene Mittelalterjahre und 999 Jahre „antike Einschübe“ ab, womit das Jahr 2000 seiner Rechnung nach erst das Jahr 704 nach Christus wäre.

Reichsdeutsche Welterklärung und apokalyptische Prophezeiungen

In Vorträgen und DVD-Interviews verknüpft Schneider seine Thesen zu einem großen alternativen Weltbild. Der Zweite Weltkrieg sei am 8. Mai 1945 nicht beendet, sondern in einen „verschwiegenen Schwelkrieg“ übergegangen, bei dem „Ost und West gemeinsam gegen Süd“ kämpften – gemeint ist der angebliche Machtblock Neuschwabenlands. Die Bundesrepublik besitze keine Verfassung, sondern lediglich ein „Grundgesetz als Verwaltungsordnung für ein besetztes feindliches Gebiet“. In einem Interview auf der DVD „Die Mondverschwörung“ erklärte er, auf der Mondrückseite herrsche durch „Prallfelder“ eine Atmosphäre, in der Reichsdeutsche Spargel anbauten. Adolf Hitler werde laut Schneider „als Messias“ zurückkehren und voraussichtlich 2012 die Apokalypse einleiten [3]. Diese wie andere Behauptungen machten ihn zu einer zentralen Figur der sogenannten „Reichsbürger“- und KRR-Szene.

Einzelnachweise

  1. OLG Koblenz, Beschl. v. 15. 10. 2009, 1 Ss 154/09
  2. vgl. RSV-Datenweb, „SHAEF-Besatzungsrecht Direktive-1067“
  3. zit. nach kheichhorn.de, „Wunderwaffen“