Jeet
Der in Leipzig lebende Italiener Roberto Liuzzi erfindet sich seit Jahrzehnten neu: als Künstler, Institutsgründer, Internet-TV-Macher und schwarzmagischer Kritiker-Flucher. Seine Biografie liest sich wie ein Kaleidoskop aus Esoterik, Kleinprojekten und öffentlichen Eklats.
Vom italienischen Diplomaten zum deutschen Esoterik-Unternehmer

Geboren am 15. September 1952 in Crispiano (Apulien), absolvierte Liuzzi zunächst ein Politikstudium in Mailand und arbeitete nebenher als Taxifahrer, Elektriker und Pfleger. Nach dem Lehramtsstudium unterrichtete er 23 Jahre lang Italienisch an italienischen Schulen, bis er 1984 in den diplomatischen Dienst wechselte. Am italienischen Konsulat in Freiburg war er als Beamter tätig, 1997 trat er in den vorzeitigen Ruhestand. Bereits in den 1980er-Jahren hatte Liuzzi Kontakt zur Bhagwan-Bewegung; der Guru Osho soll ihm laut eigener Angabe den Künstlernamen „Jeet“ verliehen haben. Seitdem firmiert er fast ausschließlich unter diesem Pseudonym und baute in Leipzig ein Netz kleiner, häufig nur kurzlebiger Organisationen auf.
Institute, Akademien und Heilbilder – das universelle Kompetenzprinzip
Jeets Produktivität bei der Gründung von Vereinigungen ist bemerkenswert: „Institut zur Förderung der professionellen Anwendung der individuellen intuitiven Intelligenz“, „Weltinstitut für Intuitive Intelligenz“, „Akademie intuitive Wissenschaftler“ und „Osho Amurta Meditationszentrum Dr. Jeet Liuzzi“ sind nur einige Einträge aus der Liste. Die Internetauftritte dieser Einrichtungen wechseln zwischen Deutsch, Italienisch und Spanisch, enthalten zahlreiche Rechtschreibfehler und bleiben inhaltlich vage. Kerngeschäft neben Seminaren ist der Verkauf von Gemälden. Jeet gibt an, rund 9 000 „Heilbilder“ geschaffen zu haben, die Räume von Elektrosmog befreien, Krebszellen transformieren oder Kongresse energetisch vorbereiten können. Die Wirksamkeit sei messbar, wissenschaftliche Daten dazu liegen nicht vor. Kooperationspartner in der Szene sind unter anderen der US-amerikanische Arzt Dietrich Klinghardt sowie Paul und Gail Dennison, Entwickler der Alternativmethode „Brain Gym“.
Jeet TV: Livesendungen zwischen Meditation, Polit-Irritation und Technikpannen

Ende Mai 2008 startete Liuzzi die Plattform „Jeet TV“, die als „größter spiritueller Live-Sender für alle Richtungen“ beworben wurde. Die Kanäle strahlten über die Streaming-Plattform Mogulus, für 20 gleichzeitige Premium-Kanäle fielen erhebliche Gebühren an. Bis Februar 2009 moderierte Jo Conrad tägliche Sendungen, in denen für das Fürstentum Germania (FG) geworben wurde – ein Projekt des umstrittenen Verwaltungsakademikers Peter Fitzek, der ein eigenes „Staatsgebiet“ auf einem ehemaligen Gartengelände bei Wittenberg betreibt. Nach einem gemeinsamen Streit wurden die FG-Formate eingestellt. Ein Höhepunkt der Skurrilität war der Auftritt eines Mannes namens „Brahmane“, der lautstark Parolen gegen „das System“ brüllte, bis Nachbarn bei der Live-Übertragung klingelten und nach dem Rechten sahen. Jeet unterbrach die Sendung nicht, sondern lobte später die „authentische Energie“.
Flüche, Krankheitswünsche und die Jagd auf „Diktatoren“
Kritik nimmt Jeet personell: Rechercheseiten, Satireformate und ehemalige Kooperationspartner werden pauschal als „Nazis“, „Kriminelle“ oder „Bezahlte der Pharmaindustrie“ diffamiert. Im März 2009 drohte er in mehreren Videos mit schwarzmagischen Rituallen: „Wer angreift, wird am eigenen Körper eine Reaktion spüren – sofort … Ich bin Krieger, es werden Krankheiten kommen!“ In einem Clip wünschte er Kritikern Krebs, weil deren „negative Energie“ Tumore erzeuge. Auf seiner Website veröffentlichte er Fotos von Puppen mit Nadeln und forderte Anhänger zur „Informationsjagd“ auf. Chatbenutzer, die sich über Technikmängel lustig machten, wurden aus dem Jeet-TV-Chat ausgeschlossen, während Holocaust-Leugnungs-Links unbehelligt bleiben.
Scheinstaat, Kennzeichen und 120 Euro „Engelgeld“
Liuzzi ist Mitglied im Verein „Weltanschauungsgemeinschaft NeuDeutschland e.V.“, einer Gruppierung um Peter Fitzek. Der Klub vertreibt selbstgefertigte Autokennzeichen und verspricht, jährliche Kfz-Steuer sowie Bußgelder entfielen künftig im „Staatsgebiet NeuDeutschland“. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 120 Euro, alternativ wird „Engelgeld“ akzeptiert – ein freiwilliger Zusatzbetrag. Ob Liuzzi dort nur Mitglied oder auch Funktionsträger ist, bleibt offen; in Videos wirbt er wiederholt für das Projekt und präsentiert die Kennzeichen als „Souveränitätsausweis“.
Zitate
Brauch ma nicht. Brauch ma ga nich. Wozu? Nie! Brauch ma nich! Wozu? Is unnütz. Nee. Brauch ma nich mehr! Hoho! — Thomas Hornauer in einer Live-Sendung mit Jeet auf Kanal Telemedial
Wer angreift, wird am eigenen Körper eine Reaktion spüren – sofort … Ich bin Krieger, es werden Krankheiten kommen! — Jeet in einem Video vom März 2009
Ich bitte alle Menschen auf die Jagd, auf die Informationsjagd zu gehen, hinter diese Menschen, die schöpferische Energien eingrenzen. — Jeet in derselben Videobotschaft
Weblinks
- Archivierte Satire-Sendung zu Finanzproblemen von Jeet TV
- Video-Drohung gegen Kritiker (inzwischen gelöscht, Webarchiv-Link)
- Offizielle Website von Roberto „Jeet“ Liuzzi
- Jeet-TV-Portal auf der Streaming-Plattform
- XING-Profil von Jeet Liuzzi