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Gopal Norbert Klein

Aus Faktenradar

Der 1974 in Wiesbaden geborene Norbert Uwe Nanzer-Klein, heute als Gopal bekannt, verließ 2020 Deutschland und bietet in der Schweiz Seminare zu Traumatherapie und Spiritualität an. Seine Methoden stoßen auf Kritik, seine politischen Äußerungen auf Ablehnung.

Vom IT-Fachmann zum spirituellen Lehrer

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Norbert Uwe Klein absolvierte ein Informatik-Studium an einer Fachhochschule und arbeitete jahrelang mit Linux-Systemen. Mitte der 2010er-Jahre veränderte sich sein Fokus: Er ließ sich 2017 in Dresden zum Heilpraktiker für Psychotherapie prüfen und trat fortan unter dem spirituellen Namen „Gopal“ auf, den er vom Satsang-Lehrer Soham erhielt. Seit 2016 verdient er seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit Vorträgen, Online-Seminaren und Selbsthilfegruppen. Im Mai 2020 übersiedelte er nach Sarnen im Kanton Obwalden, wo er am 29. Juli 2020 eine Schweizer Naturheilpraktikerin heiratete und dadurch eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Sein bürgerlicher Name lautet seitdem Norbert Uwe Nanzer-Klein. Als wesentliche Einflüsse für seine Arbeit nennt er den indischen Guru Osho, Bruno Gröning sowie João de Deus, den brasilianischen Geistheiler, der wegen sexueller Übergriffe verurteilt wurde. Fachlich bezieht er sich unter anderem auf das NARM-Traumamodell nach Laurence Heller und die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges, obwohl Teile dieser Theorie in der Fachwelt umstritten sind.

Die Methoden „Ehrliches Mitteilen“ und „Floating“

Die Methoden „Ehrliches Mitteilen“ und „Floating“

Zentrale Elemente seiner Angebote sind zwei selbst entwickelte Verfahren. „Ehrliches Mitteilen“ kombiniert Achtsamkeitsmeditation mit Elementen gewaltfreier Kommunikation: In Kleingruppen berichtet jede Person zehn Minuten lang ununterbrochen von Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Klein behauptet, die Anleitung dazu sei ihm nach monatelangem Beten und Grübeln „von der geistigen Welt“ übermittelt worden und wirke bei korrekter Anwendung mit „mathematischer Präzision“. Um die Verbreitung zu organisieren, rief er das Netzwerk „Lokale Gruppen“ ins Leben, das nach eigenen Angaben in Deutschland bereits rund 400 Ableger zählte. Mehrfach erhielten diese Gruppen jedoch Kündigungen für ihre Räume, unter anderem wegen rechtspopulistischer Äußerungen des Gründers. Die zweite Methode namens „Floating“ basiert auf der gegenseitigen Reflexion von Projektionen in Zweier-Settings innerhalb einer geschlossenen Gruppe. Beide Verfahren wurden in zwei Büchern beschrieben, die Klein über den Selfpublishing-Dienst Books on Demand sowie kostenlos als PDF veröffentlichte. Ein drittes Buch mit dem Titel „Der Vagus-Schlüssel zur Traumaheilung“ sollte 2021 im Gräfe-und-Unzer-Verlag erscheinen; die Veröffentlichung wurde kurzfristig abgesagt, nachdem der Verlag auf Äußerungen Kleins aufmerksam wurde, die geeignet seien, „das Leid des Holocaust zu relativieren“. Letztlich erschien das Werk im Februar 2022 im Eigenverlag.

Geschäftsmodell und Preispolitik

Geschäftsmodell und Preispolitik

Klein richtet sich an Menschen mit langjährigen psychischen Belastungen und verspricht schnelle Linderung. In Videos behauptet er, mindestens 80 Prozent der bisher in Psychotherapie oder Psychiatrie Behandelten könnten mit seinen Methoden innerhalb kürzester Zeit geholfen werden. Trotz anfänglicher Honorierung nach dem Sterntaler-Prinzip verlangt er inzwischen für eine zweistündige Floating-Gruppensitzung 120 Euro respektive 120 Schweizer Franken. Bei Online-Formaten wie „Gespräche mit Gopal“ gibt er an, mit bis zu 1.000 Teilnehmern in zwei Stunden 20.000 Euro einzunehmen. Einzelberatungen bietet er kaum noch an; eine eigene Praxis führt er nicht. Über Spendenplattformen wie Patreon sammelte er 2022 Mittel für Werbekosten in Höhe von 100.000 Euro, wurde jedoch wegen der Verbreitung von Verschwörungsinhalten ausgeschlossen. Inzwischen empfängt er Geldspenden direkt auf sein Schweizer Konto, wodurch diese steuerfrei bleiben, da im Kanton Obwalden Schenkungen nicht steuerpflichtig sind. In einem Video erklärte er, durch Schenkungen mehrere Seminarzentren erwerben zu wollen.

Politische Positionen und Aktivitäten

Seit 2020 trat Klein verstärkt als politischer Kommentator in Erscheinung. Auf seinem Telegram-Kanal bezeichnete er die Corona-Pandemie wiederholt als „Fake-Pandemie“ und trat bei mehreren Querdenken-Demonstrationen als Redner auf. Er bewirbt die AfD als einzige Partei mit relevanten Positionen, lobt die österreichische FPÖ und den Schweizer Rechtsextremisten Ignaz Bearth. Als Einfluss für sein „politisches Aufwachen“ nennt er den Verschwörungsblogger Manfred Petritsch. In einem Video riet er, Vorräte für mindestens ein halbes Jahr anzulegen, und verbreitete typische Prepper-Argumente. Im Frühjahr 2021 unternahm er eine neunstädtige Demo-Tour durch Deutschland, bei der er unter anderem in Hamburg den wegen des Zeigens eines Hitlergrußes verurteilten Ex-Polizisten Michael Fritsch als Redner einlud. Fritsch wurde später im Dezember 2022 als mutmaßliches Mitglied des „Patriotischen Rates“ der Reichsbürgergruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß festgenommen. Von Januar bis Mai 2021 rief Klein wöchentlich zu einer „Lichtbündelungsaktion“ auf das Robert-Koch-Institut auf, um durch Energiesendung die angebliche „Lügen-Pandemie“ aufzulösen. Im Dezember 2021 warb er für die rechtsextreme Gruppierung „Königreich Deutschland“, die 2025 verboten wurde. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 betrieb er auf Telegram Täter-Opfer-Umkehr und rechtfertigte den Krieg mit angeblicher Provokation des Westens gegenüber Russland.

Widersprüche und Selbstreflexion

Trotz seiner Selbstdarstellung als erfolgreicher Heiler gibt es mehrere Inkonsistenzen. Klein behauptet, mit Mitte 30 innerhalb eines Jahres durch Traumatherapie geheilt worden zu sein, zeigte sich jedoch in einem Satsang im Herbst 2014, also mit 40 Jahren, noch als suchend. Auch mit Anfang 50 gibt er an, sich in Therapie zu befinden. Auf YouTube erklärt er, keine psychotherapeutische Ausbildung zu besitzen und keine Psychotherapie anbieten zu dürfen, verwendet jedoch weiterhin die Bezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“. Seine Motivation, trotzdem als Therapeut aufzutreten, beschreibt er mit dem Wunsch nach Macht, Kontrolle und moralischer Überlegenheit. In einem Vortrag schilderte er, morgens ein Gefühl von völliger Trennung und Hoffnungslosigkeit zu erleben, das er nur durch intensive Arbeit kompensiere. Sein Leben bestehe fast nur aus Flucht vor diesem Gefühl. Kritiker werfen ihm vor, verzweifelten Menschen einfache Lösungen für komplexe Probleme zu versprechen und Misserfolge stets bei den Klienten zu verorten. 2021 wurde er für den Negativpreis „Goldener Aluhut“ in der Kategorie Esoterik nominiert.

Weblinks

  1. Vita von Gopal Norbert Klein
  2. Floating-Seminare in der Schweiz
  3. Veröffentlichungen bei Amazon

Einzelnachweise

  1. WAZ-Bericht über umstrittene Heilsversprechen in der Corona-Krise
  2. Studie zur wissenschaftlichen Bewertung der Polyvagal-Theorie
  3. Urteil gegen Michael Fritsch wegen Hitlergruß
  4. Hintergrundbericht zu Michael Fritsch
  5. Bericht über Patreon-Sperre wegen Verschwörungsinhalten