Zum Inhalt springen
Das offene Wiki zur kritischen Einordnung von Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen und Desinformation im deutschsprachigen Raum — 401 Artikel mit transparenten Quellen und dokumentiertem Korrekturrecht.

Eva Herman

Aus Faktenradar

Eva Herman wurde als ARD-Nachrichtensprecherin bekannt, verlor 2007 ihren Job nach umstrittenen Äußerungen und wandte sich danach publizistisch konservativen bis rechtspopulistischen Positionen zu. Ihre Bücher, Videos und Auftritte thematisieren Geschlechterrollen, Familienpolitik und später zunehmend Verschwörungserzählungen.

Karrierebeginn beim NDR und erste Moderationserfahrung

Karrierebeginn beim NDR und erste Moderationserfahrung

Geboren am 9. November 1958 in Emden wuchs Eva Herman als Kind von Hoteliers in Herzberg am Harz auf. Nach der Mittleren Reife absolvierte sie eine Ausbildung zur Hotelkauffrau, wechselte dann aber ins Medienbusiness. 1983 heiratete sie den Münchner Autohändler Werner Herrmann, behielt auch nach der Scheidung 1988 einen Teil seines Nachnamens, der fortan als Künstlernamen diente. Parallel ließ sie sich beim Bayerischen Rundfunk zur Fernsehsprecherin ausbilden und moderierte bereits für den Radiosender Bayern 3. 1988 wechselte sie zum Norddeutschen Rundfunk (NDR) nach Hamburg, wo sie zunächst im Hörfunk anschloss und später regelmäßig die Tagesschau präsentierte. Daneben trat sie in Talk- und Unterhaltungsformaten auf, etwa in Schlagersendungen. Ihre letzte Tagesschau-Sendung datiert auf das Jahr 2006; ein Jahr später endete die Zusammenarbeit mit dem NDR abrupt.

Publikationen zur Familienpolitik und Kritik an der Frauenbewegung

Publikationen zur Familienpolitik und Kritik an der Frauenbewegung

Bereits vor ihrer Entlassung hatte Herman mit Ratgebern wie "Vom Glück des Stillens" (2003) oder "Mein Kind schläft durch" (2005) Aufmerksamkeit erlangt. 2006 erschien "Das Eva-Prinzip", in dem sie eine Rückbesinnung auf klassische Rollenbilder forderte: berufstätiger Vater, sich zu Hause um Kinder und Haushalt kümmernde Mutter. Das Buch stieß auf breite Debatte; die ARD teilte kurz nach Erscheinen mit, Herman lege ihre Tätigkeit als Tagesschausprecherin nieder. In den Folgejahren veröffentlichte sie weitere Titel, darunter "Das Prinzip Arche Noah" (2007), das Gesprächsbuch "Das Überlebensprinzip" (2008) sowie Sammelbände wie "Mama, Papa oder Krippe?" (2010). In diesen Werken kritisiert sie Fremdbetreuung, bezeichnet staatliche Kita-Ausbaupläne als gesellschaftlich schädlich und sieht in der Gleichstellungspolitik einen "menschheitsvernichtenden Wahnsinn". Feministinnen nannte sie in diesem Zusammenhang "zeternde, hasserfüllte Bräute des Teufels" und warb für eine Rückkehr angeblich "gottgewollter" Geschlechterordnungen.

Entlassung aus dem NDR und öffentliche Kontroversen 2007

Entlassung aus dem NDR und öffentliche Kontroversen 2007

Im September 2007 kündigte der NDR Herman fristlos. Auslöser war ein Interview mit der "Bild am Sonntag", in dem sie unter anderem beklagte, mit dem Nationalsozialismus und der 68er-Bewegung seien traditionelle Werte wie Familie und Kinder abgewertet worden. Zwar distanzierte sie sich von der NS-Diktatur, fügte jedoch hinzu, man müsse wieder lernen, "das Bild der Mutter in Deutschland zu wertschätzen". Medien wie "taz" und "Hamburger Abendblatt" warfen ihr daraufhin eine Verharmlosung der NS-Familienpolitik vor. Der NDR beendete die Zusammenarbeit mit der Begründung, ihre Äußerungen schadeten dem Ruf des Senders. In der ZDF-Talksendung "Johannes B. Kerner" wurde Herman wenige Wochen später nach einem Disput vor laufender Kamera hinausgebeten. Reaktionen kamen auch von rechtspopulistischen Organisationen: Der "Ring Nationaler Frauen", Frauenorganisation der NPD, lobte Hermans "Mut und Geradlinigkeit", die DVU kündigte eine Demonstration für Meinungsfreiheit an. Herman selbst wies die Vorwürfe zurück und dokumentierte ihre Sicht 2010 in dem Buch "Die Wahrheit und ihr Preis", in dem sie Medien eine gezielte Kampagnen gegen sie unterstellt.

Aktivitäten im Kopp-Verlag und Verbreitung von Verschwörungstheorien

Seit 2010 präsentierte Herman wöchentliche Videonachrichten für den Kopp-Verlag, der Publikationen zu Verschwörungstheorien, alternativen Medizinkonzepten und geopolitischen Deutungen vermarktet. Dort erschienen auch ihre Bücher "Das Medienkartell" (2012) und "Weltenwende" (2012). In den Videos verlas sie Meldungen, die häufig markant von Berichten etablierter Medien abwichen. So behauptete sie unter Berufung auf Udo Ulfkotte, eine türkische "Terrororganisation" habe die Gaza-Hilfsflotte 2010 angeführt, und bezeichnete die angebliche Fälschung von Barack Obamas Geburtsurkunde als erwiesen. Auch Zahlen zu palästinensischen Kindern, die angeblich von Israel getötet worden seien, sowie pauschale Diagnosen über somalische Flüchtlinge verbreitete sie ohne journalistische Prüfung. 2014 stieß sie zum Projekt "Wissensmanufaktur" des Ökonomen Andreas Popp über, für das sie unter anderem den Psychiater Hans-Joachim Maaz interviewte. Gemeinsam mit Popp rief sie 2021 zur Wahl der AfD auf und trat bei der 17. "Antizensurkonferenz" des Schweizer Aktivisten Ivo Sasek auf.

Stellungnahmen zur Loveparade-Katastrophe, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg

Nach dem Tod von 21 Besuchern der Loveparade 2010 in Duisburg veröffentlichte Herman auf der Website des Kopp-Verlags einen Text, in dem sie von einer "Sex- und Drogenorgie" sprach und "wildgewordene Massen" bei einer modernen "Sodom und Gomorrha" sah. Die 68er-Bewegung machte sie für einen angeblichen Kulturverfall verantwortlich, der Menschen die Selbstkontrolle koste; die Katastrophe selbst führte sie auf enthemmtes Feiern zurück. Der Artikel wurde nach Protesten kurzfristig entfernt, in sozialen Netzwerken verbreitete sich aber weiterhin ein entsprechender Screenshot. Während der Covid-19-Pandemie bezeichnete Herman das Virus als harmlos und bezeichnete staatliche Schutzmaßnahmen als Vorwand, eine "neue Weltordnung" zu installieren. In Interviews mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wodarg sowie auf ihrem Telegram-Kanal rief sie zu Protesten auf und propagierte das Aufhängen von Handtüchern als Symbol der Ablehnung von Quarantäne-Regeln. 2021 bewarb sie zudem das umstrittene Chlordioxid-Präparat MMS, das weltweit von Gesundheitsbehörden als gesundheitsschädlich gewarnt wird. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 verbreitete sie die These, der Krieg diene nur als Ablenkung von Pandemie und Impfkampagnen.

Rezeption, Gegenstimmen und rechtspopulistische Nähe

Hermans Positionen stießen stets auf Gegenreaktionen. Schriftstellerin Désirée Nick veröffentlichte 2007 die Gegenschrifft "Eva, go home" und warb für Emanzipation statt Rollenrückwärts. Blogs der Scientology-Organisation lobten indes ihr Buch "Die Wahrheit und ihr Preis" als Beleg für vermeintliche Meinungszensur. Die NPD wiederum begrüßte ihren Rauswurf beim NDR als Beleg für angeblichen "Gender-Wahnsinn" und bezeichnete Herman als "Geschenk des Himmels" für nationale Frauenorganisationen. In der sogenannten Truther-Szene gilt sie seit 2007 als Paradebeispiel für eine Journalistin, die sich aus dem "System" verabschiedet habe. Obwohl Herman bislang kein politisches Mandat übernahm, trat sie bei Wahlkampfveranstaltungen der Partei "AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie" auf und moderierte für den christlich-konservativen Onlinesender familyfair.tv, dem auch Gloria von Thurn und Taxis zugerechnet wurde. Ein geplanter Vortrag vor der FPÖ-Fraktion im österreichischen Parlament scheiterte 2007 an ihrem damaligen Arbeitgeber NDR; sie sagte den Auftritt kurzfristig ab.

Weblinks

  1. NDR-Rückblick auf Eva Hermans Zeit bei der Tagesschau
  2. Kopp-Verlag-Autorenseite zu Eva Herman
  3. Bericht über Andreas Popps Projekt Wissensmanufaktur

Veröffentlichungen

  • Eva Herman: Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit.
  • Eva Herman: Die Wahrheit und ihr Preis. Meinung, Macht und Medien.
  • Wolfgang Wippermann: Autobahn zum Mutterkreuz. Historikerstreit der schweigenden Mehrheit.

Einzelnachweise

  1. Zitat Eva Herman zur NS-Vergangenheit und 68er-Bewegung, wörtlich laut Protokoll einer Pressekonferenz am 7. September 2007.
  2. Stellungnahme des NDR zur fristlosen Kündigung vom 3. September 2007.