Bert Ehgartner
Der österreichische Autor und Regisseur Bert Ehgartner polarisiert seit Jahren mit Filmen und Büchern über angebliche Gesundheitsrisiken durch Aluminium. Seine Positionen stoßen auf breite Kritik, wissenschaftliche Belege für seine Thesen fehlen weitgehend.
Karriere und Hintergrund

Bert Ehgartner, geboren am 7. Oktober 1962 in Waidhofen an der Ybbs, studierte Publizistik, Politikwissenschaften und Informatik in Wien. Zwischen 1987 und 1991 arbeitete er als freier Journalist für österreichische Tages- und Wochenzeitungen, danach bis 1995 als Redakteur und anschließend bis 1996 als Chefredakteur der Wochenzeitung „Ganze Woche“. Von 2000 bis 2005 leitete er das Gesundheitsportal „surfmed.de“. Seit den 1990er-Jahren veröffentlicht er Bücher und Filme zu medizinischen Themen, wobei er sich zunehmend als Kritiker etablierter wissenschaftlicher Erkenntnisse positioniert. Ehgartner bezeichnet sich selbst als „Medizinlaie“, der sich evidenzbasierter Medizin verpflichtet sieht – eine Einschätzung, die angesichts seiner zahlreichen Publikationen zu Impfstoffen, Aluminium und chronischen Krankheiten durchaus widersprüchlich wirkt.
Aluminium als Gesundheitsrisiko: Die zentrale These

Schwerpunkt von Ehgartners öffentlichem Wirken ist die Warnung vor gesundheitlichen Gefahren durch Aluminium. In seinem 2012 erschienenen Buch „Dirty little secret – Die Akte Aluminium“ und dem gleichnamigen Dokumentarfilm, der unter anderem auf Arte und dem ZDF ausgestrahlt wurde, verknüpft er das Leichtmetall mit Erkrankungen wie Alzheimer, Brustkrebs, Autismus und Autoimmunerkrankungen. Als wichtigster wissenschaftlicher Zeuge wird dabei wiederholt der britische Biochemiker Christopher Exley zitiert, der wiederholt eine kausale Rolle von Aluminiumadjuvanzien in Impfstoffen bei der Entstehung von Autismus postuliert. Exleys Forschung wird unter anderem von der US-amerikanischen Dwoskin Family Foundation finanziert, die wiederum die Impfkritiker-Organisation CMSRI unterstützt. Ehgartner präsentiert Einzelschicksale von Patienten, die ihre Erkrankung auf Aluminiumexposition zurückführen. Kritiker bemängeln, dass große epidemiologische Studien, die einen Zusammenhang widerlegen, nicht erwähnt werden. So listet die Datenbank PubMed allein 700 Arbeiten zu „Aluminium und Alzheimer“, die überwiegend keinen nachweisbaren kausalen Zusammenhang finden. Auch der Hinweis auf eine mögliche Brustkrebsgefahr durch aluminiumhaltige Antitranspirantien beruht auf Studien, die in Meta-Analysen keine Signifikanz erbrachten.
Al-ex Institut und Aluminium-Test

Im November 2013 gründete Ehgartner das „Al-ex Institut zur Wissensvermittlung im Umgang mit Aluminium“ in Asperhofen, Niederösterreich, dessen Vorsitz er selbst übernahm. Das Institut bot bis 2015 einen Urin-Test an, mit dem angeblich „Aluminiumdepots“ im Körper nachgewiesen werden sollten. Nach Einnahme siliziumreicher Mineralwasser wurden zwei Urinproben analysiert; ein Anstieg der Aluminiumkonzentration wurde als Hinweis auf „Depots“ interpretiert. Für die Untersuchung verlangte das Institut 180 bis 190 Euro. Fachläutende bezweifeln die Aussagekraft des Verfahrens: Aluminium wird rasch renal eliminiert, die Konzentration im Urin spiegelt lediglich die jüngste Exposition wider und korreliert kaum mit der Körperlast. Nur eine Knochenbiopsie könne verlässliche Werte liefern, ist in Fachkreisen unbestritten. Kontaminationen durch Staub oder Laborgeräte seien bei den geringen Konzentrationen kaum vermeidbar. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft Kieselsäure zwar als unbedenklich ein, eine „Ausleitung“ von Aluminium durch erhöhte Siliziumzufuhr ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt. Ehgartner stellte den Test 2015 ein, weil „nur wenige Personen“ davon Gebrauch machten.
Filme und Medienauftritte zur Corona-Pandemie
Während der Covid-19-Pandemie verstärkte Ehgartner seine medialen Aktivitäten. 2021 co-regissierte er gemeinsam mit Robert Cibis den Film „Corona.Film“, produziert von der Berliner OVALmedia, die wiederholt als Plattform für impfkritische und pandemie-leugnende Inhalte beschrieben wird. 2022 entstand für ServusTV die Reportage „Im Stich gelassen – die Covid-Impfopfer“. In dem Beitrag berichten mehrere Personen von angeblich durch mRNA-Impfungen verursachten Symptomen, ohne dass medizinische Einordnungen erfolgen. Der Psychologe Christoph Kuhbandner und der Kinderarzt Martin Hirte erläutern ihre These, die Impfung erhöhe die Gesamtsterblichkeit. YouTube entfernte Uploads des Films wegen Verstoßes gegen Richtlinien zur Gesundheitsdesinformation. Auch das Medienmagazin DWDL monierte das bewusste Weglassen von Kontextinformationen: „Es gibt keinerlei Einordnung, dass ein überwiegend großer Anteil der Corona-Impfungen ohne Probleme verläuft.“ Ehgartner trat zudem wiederholt als Gast bei Sitzungen der „Stiftung Corona-Ausschuss“ auf, die als zentrale Plattform für Impfkritiker und Verschwörungsideologen gilt.
Kritik an wissenschaftlichen Standards und Vorwürfe der Verschwörung
Ehgartner wirft Wissenschaftsorganisationen und Behörden vor, unabhängige Aluminiumforschung zu blockieren. „Es ist eine Tatsache, dass viele Jurys und Gremien … von Aluminium-Lobbyisten dominiert werden“, erklärte er in einem Interview, konkrete Belege nannte er nicht. Studien, die seine Thesen nicht stützen, wertet er als „Auftragsarbeiten“. Dabei blendet er aus, dass Aluminium seit den 1960er-Jahren intensiv untersucht wird und weder als krebserregend noch als auslösend für Alzheimer eingestuft wird. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) klassifiziert Aluminium „nicht als karzinogen für den Menschen“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht bei normaler Exposition keine Gesundheitsgefährdung. Ehgartner zieht es dennoch vor, „unabhängige Forschung“ zu fordern, ohne deren fehlende Ergebnisse zu erklären. Kritiker sehen darin ein typisches Muster von Verschwörungserzählungen: Fehlende Evidenz wird als Beweis für Unterdrückung interpretiert. Bereits 2008 wurde Ehgartners Blog „Lob der Krankheit“ von der Plattform Scienceblogs.de nach Protesten mehrerer Wissenschaftler eingestellt, weil er unbelegte Behauptungen über Aluminium in Impfstoffen als Ursache für ADHS verbreitete.
Rezeption, Preise und langfristige Wirkung
Trotz wissenschaftlicher Kritik erreichen Ehgartners Filme und Bücher ein breites Publikum. „Die Akte Aluminium“ wurde 2014 mit dem „Hoimar-von-Ditfurth-Preis“ für die „beste journalistische Leistung“ ausgezeichnet, eine Entscheidung, die seinerzeit Kontroversen auslöste. Die Stiftung Warentest verzeichnete nach der Ausstrahlung deutlich mehr Anfragen zu Aluminium in Kosmetika und Lebensmitteln. Ehgartner gelingt es, mit einfachen Erzählmustern und persönlichen Schicksalen Ängste zu schüren und komplexe toxikologische Zusammenhänge zu vereinfachen. Ob seine Thesen langfristig zu einem Rückgang von Impfbereitschaften oder zu veränderten Konsumgewohnheiten beitragen, ist Gegenstand laufender Sozialforschung. Faktisch bleibt festzuhalten, dass weder Aluminium in Impfstoffen noch in Deodorants oder Lebensmitteln nach derzeitigem Erkenntnisstand gesundheitliche Risiken für die Allgemeinbevölkerung darstellen. Die Bundesinstitute für Risikobewertung in Deutschland und Österreich empfehlen weiterhin die Nutzung aluminiumhaltiger Antitranspirantien als sicher und rücken die belegten Vorteile gegenüber den hypothetischen Risiken in den Vordergrund. Ehgartner kündigte weitere Projekte an, darunter eine Fortsetzung seiner Aluminium-Reihe und eine Dokumentation über „Impfschäden“ bei Kindern. Wie bisher dürfte seine Arbeit vor allem zweierlei bewirken: besorgte Verbraucher zu verunsichern und Fachleute zu erneuten Aufklärungskampagnen veranlassen.
Weblinks
- Bernd Harder: Janos Hegedüs über die Doku „Im Stich gelassen – die Covid-Impfopfer“ von ServusTV
- Silvio Duwe: Impfstoffe: Das Geschäft mit der Aluminium-Angst – Spiegel Online
- Aluminium-Deos: Angstschweiß ohne Beweis – DocCheck News
Einzelnachweise
- EFSA Panel on Dietetic Products: Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to silicon and protection against aluminium accumulation in the brain
- Calvin C. Willhite et al.: Systematic review of potential health risks posed by pharmaceutical, occupational and consumer exposures to metallic and nanoscale aluminum