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Das offene Wiki zur kritischen Einordnung von Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen und Desinformation im deutschsprachigen Raum — 401 Artikel mit transparenten Quellen und dokumentiertem Korrekturrecht.

Faktenradar:Über Faktenradar

Aus Faktenradar
(Weitergeleitet von Über das Projekt)


Über Faktenradar
Es ist nie nur ein Tropfen.
Ein Quanten-Pendel hier. Eine Heilpraktikerin, die Krebs mit Bachblüten behandelt, dort. Ein Telegram-Kanal, der erklärt, wer wirklich hinter der Inflation steckt — und plötzlich ist das alles „auch eine Meinung“.
D

as Faktenradar ist der Versuch, dieser Beliebigkeit etwas entgegenzusetzen — nicht durch lautere Empörung, sondern durch Sorgfalt. Wir dokumentieren systematisch Personen, Organisationen, Begriffe und Produkte aus dem Umfeld von Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen und Desinformation im deutschsprachigen Raum. Jeder Eintrag mit Quellen, jeder Eintrag mit Korrekturrecht, jeder Eintrag prüfbar.

Warum es uns gibt

Seit Mitte der 2010er-Jahre ist im deutschsprachigen Raum ein Markt für alternative Wahrheiten entstanden, der die klassischen Grenzen zwischen Esoterik, Heilversprechen und politischem Aktivismus systematisch verwischt. Telegram-Sender mit Millionen Aufrufen verkaufen Antisemitismus als „Finanzkritik“. YouTube-Kanäle mit Studio-Ästhetik bieten Quantenheilung neben Klimawandel-Leugnung. Und neben den Vortragenden steht meist ein Shop.

Wer hier den Überblick behalten will, braucht zweierlei: Geduld — weil die Argumente kompliziert sind und sich oft als „wissenschaftlich“ tarnen. Und Quellen — weil das einzige, was gegen Beliebigkeit hilft, Belegbarkeit ist.

„Es ist viel schwieriger, eine Person von etwas Vernünftigem zu überzeugen, wovon sie sich aus unvernünftigen Gründen ferngehalten hat, als sie überhaupt erst dazu zu bringen, sich der Frage zu stellen.“

— eine alte Bibliothekarsweisheit

Unsere Mission

Wir moralisieren nicht. Wir dokumentieren.

Das Faktenradar soll für jeden Interessierten — Journalistinnen, Lehrkräfte, Angehörige Betroffener, Studierende, einfach Neugierige — ein Recherchewerkzeug sein. Wer wissen will, ob eine Therapieform wirkt, ob ein Vortragender Anhänger einer Verschwörungserzählung ist oder ob hinter einem „Institut“ eine seriöse Forschung steht, soll bei uns einen ersten Anker finden — mit Quellen, die er selbst nachprüfen kann.

Das bedeutet bewusst:

  • Keine politische Agenda — wir bewerten Behauptungen, nicht Personen.
  • Keine Skandalisierung — Sachlichkeit ist nicht spannungsärmer, sie hält nur länger.
  • Kein Aktivismus — wir dokumentieren, was öffentlich nachweisbar ist. Den Rest überlassen wir Leserinnen und Lesern.

Wie wir prüfen: sechs Fragen

Kritisches Denken klingt nach Philosophieseminar — ist aber im Kern Handwerk. Wir stellen an jeden Eintrag die gleichen sechs Fragen.

Frage 1
Wer behauptet das — und woher kommt das Wissen?
Eine Aussage ist nur so gut wie ihre Herkunft. Wir notieren, wer eine Behauptung in die Welt gesetzt hat, in welchem Kontext, mit welcher Ausbildung — und in welcher kommerziellen oder politischen Lage.
Frage 2
Lässt sich die Behauptung überhaupt widerlegen?
Was immer wahr ist, sagt nichts aus. Wir prüfen, ob eine These ein Szenario zulässt, in dem sie falsch wäre. Wer „Energie“ oder „Schwingung“ ohne Messverfahren bemüht, hat keine Hypothese aufgestellt — nur ein Versprechen.
Frage 3
Gibt es eine unabhängige Kontrolle?
Peer-Review, behördliche Aufsicht, Gerichtsentscheidungen, dokumentierte Replikationsstudien. Wo nichts davon existiert, bleibt nur das Selbstporträt — und Selbstporträts sind selten kritisch.
Frage 4
Wer profitiert davon?
Geld, Reichweite, politischer Einfluss, Status. Wir folgen den Verkaufsseiten, Mitgliedsbeiträgen und Spendenkonten — nicht weil Profit ein Beweis wäre, aber er ist meistens eine Erklärung.
Frage 5
Wo sind die Belege brüchig?
Auch eine richtige These hat Lücken. Wir nennen die offenen Fragen, statt sie zu kaschieren. Wer Lücken benennen kann, hat verstanden, was er behauptet — und was nicht.
Frage 6
Was wäre nötig, damit wir die Position ändern?
Eine Recherche, die keine Möglichkeit zur Korrektur kennt, ist Propaganda. Jeder Eintrag enthält implizit die Bedingung, unter der wir ihn umschreiben würden — und ein offenes Korrekturpostfach.

Wie ein Eintrag entsteht

Hinter jedem Artikel im Faktenradar steckt derselbe Ablauf — das ist Absicht. Standardisierte Verfahren machen Fehler sichtbar.

1
Quellenfund
Vorschläge aus der Redaktion, Hinweise aus der Leserschaft, Cross-Reads aus investigativem Journalismus, Gerichtsentscheidungen, Behördenmitteilungen.
2
Strukturierung
Automatisierte Extraktion in Sektionen, Quellenliste, Zitate, Einzelnachweise. Jede Behauptung muss am Ende mit einem öffentlich nachprüfbaren Beleg verknüpft sein.
3
Neuformulierung
Sprachlich eigenständig — weil Übernahmen aus einer einzelnen Quelle perspektivisch verzerren. Tonfall sachlich, nicht polemisch.
4
Sichtung
Redaktionelle Prüfung auf Verhältnismäßigkeit, Persönlichkeitsrecht, Belegdichte. Zweifelsfälle bleiben Entwurf, bis sie dokumentiert sind.
5
Veröffentlichung
Mit voller Versionsgeschichte. Jede spätere Änderung bleibt sichtbar — auch jede Korrektur, auch jede Klarstellung.

Was wir nicht sind

  • Kein Tribunal. Wir verurteilen nicht. Wir dokumentieren, was öffentlich dokumentierbar ist — oft sind die Belege selbst die schärfste Aussage.
  • Keine politische Plattform. Behauptungen werden an Belegen gemessen, nicht an ideologischen Lagern. Genauso wenig wie Schwurbeligkeit ein politisches Spektrum kennt.
  • Kein Schiedsgericht. Wer sich ungerecht behandelt sieht, hat ein dokumentiertes Korrekturrecht und im Zweifel den Rechtsweg. Beides nehmen wir ernst.
  • Kein abgeschlossenes Werk. Jeder Eintrag ist eine Momentaufnahme. Neue Belege, geänderte Sachverhalte, neue Urteile — alles fließt ein.

Korrekturen, Hinweise, Streit

Wir bekommen Korrekturwünsche regelmäßig. Manche sind hilfreich, manche sind Drohungen, manche beides. Wir behandeln alle nach denselben Regeln:

  1. Wir prüfen. Jeder Hinweis bekommt eine Antwort.
  2. Wir korrigieren, wenn der Hinweis stimmt. Mit sichtbarem Hinweis auf die Änderung im Versionslog.
  3. Wir lassen stehen, wenn der Hinweis nicht stimmt. Mit nachvollziehbarer Begründung.

Für alles gibt es ein Postfach: admin@faktenradar.9xsrv.com.


Mitmachen
Sie kennen einen Eintrag, der fehlt? Einen Beleg, der korrigiert werden müsste?
Wir lesen jeden Hinweis. Wer aus eigener Recherche oder Erfahrung beitragen will — etwa weil er als Journalistin, Mediziner, Forscherin oder Betroffener etwas weiß, das wir nicht wissen — ist ausdrücklich eingeladen. Wir veröffentlichen kein Material ohne Belege, aber wir nehmen jeden Hinweis dankbar entgegen.