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Das offene Wiki zur kritischen Einordnung von Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen und Desinformation im deutschsprachigen Raum — 401 Artikel mit transparenten Quellen und dokumentiertem Korrekturrecht.

Europa-Universität Viadrina

Aus Faktenradar
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Die 1991 gegründete Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) bietet seit 2009 einen Masterstudiengang „Komplementäre Medizin“ an, der auf breite Kritik stieß. Auch das Projekt „Wiki-Watch“ zur Wikipedia-Qualitätssicherung wurde mehrfach öffentlich beanstandet.

Masterstudiengang Komplementäre Medizin seit 2009 im Visier

Masterstudiengang Komplementäre Medizin seit 2009 im Visier

Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Viadrina startete 2009 den Masterstudiengang „Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin – Heilkunde“. Genehmigt wurde das Programm bereits 2008; jährlich stehen 60 Plätze zur Verfügung. Pro Studierendenplatz fallen Kosten von rund 10.000 € an, wovon 2.500 € pro Semester auf die Teilnehmer entfallen. Mitfinanziert wird das Curriculum von der Biologischen Heilmittel Heel GmbH. Bereits kurz nach dem Start äußerten Wissenschaftsjournalistinnen und Blogger Bedenken hinsichtlich der wissenschaftlichen Grundlagen. Die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg kam in einem Juni 2012 vorgelegten Bericht zu dem Schluss, dass „eine Fortführung des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften weder als In- noch als An-Institut“ zu befürworten sei. Die Kommission empfahl „nachdrücklich den künftigen Verzicht“ auf den Masterstudiengang und verwies auf mangelnde wissenschaftliche Absicherung. Als Reaktion auf ansteigende Medienanfragen versendete Präsident Gunter Pleuger ein internes Rundschreiben, wonach alle Stellungnahmen zur Thematik künftig mit der Hochschulleitung abzustimmen seien.

Wiki-Watch: Wikipedia-Beobachtung ohne universitäre Mittel

Wiki-Watch: Wikipedia-Beobachtung ohne universitäre Mittel

Unabhängig vom Medizin-Master betreibt die Hochschule seit 2010 das Online-Projekt „Wiki-Watch“, das die Qualität von Wikipedia-Artikeln überwachen und die Plattform „transparenter machen“ will. Laut Eigenangaben fließen dafür weder reguläre Universitätsmittel noch Drittmittel. Kritisiert wurde das Vorhaben wiederholt von Wikipedia-Autorinnen und Medien, weil Beteiligte unter mehreren Identitäten Artikel bearbeitet und dabei gegen zentrale Richtlinien der Enzyklopädie verstoßen hätten. Im Fokus standen unter anderem Einträge zu einem Diabetes-Wirkstoff des Herstellers Sanofi-Aventis, der laut Recherchen der FAZ und des SPIEGEL in für das Unternehmen vorteilhafter Weise präsentiert wurde. Auch Einflussnahme auf Artikel zu Prüfinstitutionen sowie langjährige Bearbeitungen in den Bereichen Evangelikalismus und Homosexualität wurden dokumentiert. Die Vorfälle führten zu mehreren Berichten in überregionalen Zeitungen und Onlinemedien.

Weblinks

  1. Website der Europa-Universität Viadrina
  2. Wiki-Watch-Projektseite

Einzelnachweise

  1. Abschlussbericht der Hochschulstrukturkommission Brandenburg, Juni 2012, S. 196 ff.
  2. Jörg Wittkewitz: „Hier prüft der Bürger das Insulin noch persönlich“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juli 2011.