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Memon

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:11 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Memon» angelegt/aktualisiert)
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Die Rosenheimer Firma memon bionic instruments vertreibt seit rund zwei Jahrzehnten Geräte und Aufkleber, die angeblich Elektrosmog neutralisieren, Wasser „beleben“ und sogar Benzin sparen sollen. Eine Überprüfung der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigt, dass zentrale Wirksamkeitsnachweise bislang ausbleiben.

Produktpalette von Armbändern bis Steckdosenleisten

Produktpalette von Armbändern bis Steckdosenleisten

Das Sortiment des Unternehmens umfasst mehr als ein Dutzend unterschiedliche „memonizer“, die jeweils für bestimmte Anwendungsbereiche konzipiert sind. Für Mobiltelefone wird ein laminiertes Papierelement („memonizerMOBILE“) angeboten, das nach Herstellerangabe ins Akkufach gelegt wird. Autofahrer erhalten den „memonizerCAR“, Hausbesitzer den „memonizerCOMBI“, der einfach in eine Steckdose gesteckt wird. Ein Armband („memonizerBODY“) soll über ein „Abstrahlungsfeld“ eine „Harmonisierung“ des Trägers bewirken, während eine kreditkartengroße Folie („memonizerFOOD“) vier Minuten lang unter Teller oder Glas gelegt wird, um Speisen und Getränke zu „informieren“. Weitere Varianten richten sich an Heizungsanlagen, Fotovoltaik-Anlagen, Schwimmbecken oder komplette Arbeitsplätze. Preislich bewegen sich die einfachen Aufkleber um 100 Euro, komplexere Geräte kosten mehrere hundert Euro. Frühere Programme umfassten auch ein schlicht gehaltenes Mobiltelefon namens „Combifon“ sowie eine Armbanduhr („Resochron“), die mit der Schumann-Resonanz beworben wurde; beide Produkte sind inzwischen aus dem Programm genommen.

Technologieerklärungen ohne messbare Größen

Technologieerklärungen ohne messbare Größen

In älteren Produktunterlagen finden sich detaillierte Erklärungen zur angeblichen Wirkweise: Demnach neutralisiere ein im Gerät gespeicherter „Steuerstreifen aus Metall- und Magnetfolie sowie Siliziumquarz“ schädliche Strahlung über „Gegenresonanz“ und „destruktive Interferenz“. Weitere Dokumente sprechen von „Skalarwellentechnik“, „Quantentransformation“ oder einer „Informations-Polarisations-Interferenz-Chip-Technologie (IPICT)“. Konkrete physikalische Messgrößen, die eine solche Umwandlung elektromagnetischer Felder belegen würden, werden nicht geliefert. Inzwischen ist die Sprache auf der Firmenwebsite deutlich vager: Die Geräte erzeugten ein „harmonisches Feld“ und sorgten dafür, „dass ein natürliches Lebensumfeld erhalten bleibt“. Aussagen zum Benzinverbrauch oder zur messbaren Senkung hochfrequenter Strahlungsdichte sind dort nicht mehr zu finden.

Studienlage und externe Begutachtung

Studienlage und externe Begutachtung

Als wissenschaftliche Bestätigung werden mehrere Verfahren und Publikationen angeführt. So verweist das Unternehmen auf Messungen der Herzratenvariabilität (HRV), Dunkelfeldmikroskopie, Biophotonen-Analysen sowie die sogenannte Wasserreifemethode. Eine zentrale Rolle spielt eine 2017 erschienene Auftragsstudie des ehemaligen Biochemikers Peter C. Dartsch, die in der „Journal of Complementary and Alternative Medical Research“ erschien. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass memon-Produkte zellbiologische Wirkungen ausgleichen können, die durch DECT-Basisstrahlung hervorgerufen wurden. Die Arbeit war nicht verblindet und verwendete kein Cross-over-Design; sie listet Timo Dochow, Sohn des memon-Erfinders Winfried M. Dochow, als Co-Autor. In der Publikation wird angegeben, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Die Zeitschrift ist nicht in der Datenbank Medline geführt; Autorenbeiträge dort sind kostenpflichtig. Peter C. Dartsch hatte zuvor bereits andere umstrittene Produkte – etwa den Symbio-Harmonizer oder Bioresonanzgeräte des Herstellers Rayonex – mit seinem Prüfsiegel versehen. Die Europäische Umweltakademie, ein Verlag mit derselben Adresse wie memon, bewirbt diese Studie als Beleg für die Technologie.

Hintergründe zu Firmenstruktur und Vertrieb

Geschäftsführende Gesellschafter der memon bionic instruments GmbH sind Erika und Hans Felder; Sitz ist Rosenheim in Oberbayern. Der Erfinder der Technologie, Winfried M. Dochow, betreibt in Soltau das „IfFP – Privates Institut für feinstoffliche Forschung und Produktentwicklung“. Seine GmbH wurde 2013 eingetragen, nachdem Dochow seit 1992 an gleicher Adresse ein „Institut für bioenergetische Analysen“ geführt hatte. Über Lizenz- oder Kooperationsvereinbarungen liefert das IfFP die technologische Grundlage für die memon-Produkte. Parallel vertreibt die EU-Umweltakademie GmbH – ebenfalls mit Erika Felder als Geschäftsführerin – Bücher und Broschüren, in denen die angebliche Gefährdung durch Elektrosmog und die Vorteile der memon-Technologie thematisiert werden. Autoren sind unter anderem Ferry Hirschmann, ein Anhänger der Radiästhesie, sowie der Esoterik-Autor Ekkehard Sirian Scheller. Das Unternehmen gab von 2004 an außerdem das Kundenmagazin „Natürlich Gesund“ heraus.

Rechtliche und wissenschaftliche Einordnung

Sowohl das Bundesamt für Strahlenschutz als auch unabhängige Fachgesellschaften wie die Deutsche Physikalische Gesellschaft betonen, dass sich gesundheitliche Wirkungen elektromagnetischer Felder im Alltagsbereich wissenschaftlich bisher nicht nachweisen lassen, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Für Geräte, die behaupten, diese Felder zu „neutralisieren“, fehlt ein greifbarer Wirkmechanismus, der sich mit etablierten physikalischen Methoden replizieren ließe. Die Stiftung Warentest und das Institut für angewandte Strahlungsforschung der Hochschule München hatten in früheren Tests an ähnlichen „Elektrosmog-Schutzprodukten“ keine messbare Abschirmung oder Feldreduktion feststellen können. Sollten konkrete Heilversprechen gemacht werden, wären die Produkte nach dem Medizinproduktegesetz zulassungspflichtig; bisher liegt keine entsprechende CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt vor. Verbraucherschützer raten, vor dem Kauf kritisch zu prüfen, ob die beworbenen Effekte durch valide Studien belegt sind und unabhängige Institute die Ergebnisse bestätigt haben.

Weblinks

  1. Scienceblogs-Bericht über Memom-Veranstaltungen
  2. Gesundheitstipp.ch: „Mit ein bisschen Papier gegen Handy-Strahlen“

Veröffentlichungen