Bodo Schiffmann
Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann wurde durch seine Videos und Auftritte gegen Corona-Maßnahmen bekannt. Seine Karriere, politischen Initiativen und umstrittenen Thesen werfen Fragen auf.
Von der Facharztpraxis ins Licht der Öffentlichkeit

Geboren 1968 in Bonn-Beuel, studierte Bodo Schiffmann Medizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und eröffnete 2006 in Sinsheim eine Privatpraxis für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Die Schwerpunktsetzung auf Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen führte zu einem YouTube-Kanal „Schwindelambulanz Sinsheim“, der zunächst medizinische Erklärfilme bot. Mit Beginn der COVID-19-Pandemie nutzte Schiffmann die Plattform zunehmend für politische Stellungnahmen. Die Reichweite stieg rasant: Der Kanal zählt heute rund 140.000 Abonnenten. Ende 2020 kündigte die GRN-Klinik Sinsheim den Raummietvertrag für seine Praxis fristlos, woraufhin Schiffmann ausschließlich Privatpatienten und Selbstzahler behandelte. Parallel gab er an, seine Kassenzulassung aus Datenschutzbedenken gegen die Telematikinfrastruktur abgegeben zu haben.
Parteigründungen und schnelle Rückzüge

Im Frühjahr 2020 engagierte sich Schiffmann in der Gründungsinitiative „Widerstand 2020“, trat jedoch bereits am 4. Juni aus. Kurz darauf gründete er die Partei „WIR2020“, deren Vorsitz er Ende August wieder niederlegte. Schiffmann erklärte, sich künftig nicht mehr politisch betätigen zu wollen. Dennoch blieb er als Redner auf Kundgebungen der sogenannten Querdenken-Bewegung präsent. Im Oktober 2021 erhielt er den Negativpreis „Goldener Aluhut“ der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) für pseudowissenschaftliche Aussagen.
Thesen zur Pandemie und Impfkritik

Schiffmann vertritt die Auffassung, SARS-CoV-2 sei „nicht gefährlicher als eine Grippe“. Er stellt die Wirksamkeit von Mund-Nasen-Bedeckungen infrage und bezeichnet Masken als „Maulkörbe“. In einem Video behauptete er, eine ärztliche Bescheinigung des Kollegen Dr. Ulrich Krämer zu besitzen, die ihn von einer Maskenpflicht befreie. Studienlage und Stellungnahmen wissenschaftlicher Fachgesellschaften wertet er als unzureichend. Für seine Darstellung beruft er sich häufig auf das Netzwerk Euro-MOMO zur Übersterblichkeit, übersieht dabei jedoch dessen Hinweise auf verzögerte Datenmeldungen und die ausdrückliche Verlinkung erhöhter Sterblichkeit mit COVID-19. Gleichfalls zitiert er den emeritierten Virologen Sucharit Bhakdi und den Arzt Wolfgang Wodarg, die in der Fachwelt auf deutliche Kritik stoßen. 2021 verbreitete Schiffmann unbelegt, Corona-Impfungen könnten über sexuellen Kontakt Unfruchtbarkeit verursachen.
Aufenthalt im Ausland und Rückkehr
Nachdem Ermittlungsverfahren gegen ihn bekannt wurden, reiste Schiffmann Ende Januar 2021 in die Schweiz und ließ sich in Arosa im Fünf-Sterne-Hotel Kulm ein, bevor er nach Tansania weiterzog. Dort bezog er eine über Airbnb vermietete Villa nahe Arusha. Als Begründung nannte er „Sicherheitsgründe“ und den Wunsch, seine Kinder vor Maskenpflicht und Impfungen zu schützen. In Tansania, dessen damaliger Präsident John Magufuli die Existenz von COVID-19 lange öffentlich bestritt, versuchte Schiffmann touristische Reisen zu organisieren. Nach Magufulis Tod im März 2021 kündigte dessen Nachfolgerin Samia Suluhu Hassan eine wissenschaftlich fundierte Pandemiebekämpfung an. Schiffmann kehrte am 24. Juni 2021 nach Deutschland zurück.
Rezeption, Kritik und weitere Themen
Medien und Fachvertreter werfen Schiffmann systematische Falschinformation vor. Die Süddeutsche Zeitung attestiert ihm „blühenden Unsinn“, der trotzdem hunderttausendfach geteilt werde. Virologe Christian Drosten sowie die Ärztekammern widersprachen seinen Vergleichen von Infektionsschutzmaßnahmen mit dem NS-Ermächtigungsgesetz. Neben Pandemiefragen verbreitet Schiffmann auch die These, die Mondlandung sei gefakt. Als Informationsquelle dient ihm wiederholt das anonym betriebene Blog „Swiss Propaganda Research“, das bereits vor 2020 wegen Fake News auffiel. Sein Kanal bewirbt zudem Produkte des Influencers Cecil Egwuatu („Coach Cecil“), der Nahrungsergänzungsmittel als Corona-Heilmittel bewirbt. Trotz wiederholter Betonung seiner ärztlichen Qualifikation bezeichnet sich Schiffmann selbst als „freier Journalist“, nicht als Arzt, wenn er politische Inhalte verbreitet.
Weblinks
- Wikipedia-Eintrag zu Bodo Schiffmann
- Spiegel-Artikel: Wie der HNO-Arzt Bodo Schiffmann zum Verschwörungstheoretiker wurde
- CORRECTIV-Hintergrund: Bodo Schiffmann – der Arzt, dem die Corona-Rebellen vertrauen
- RNZ-Bericht: Bodo Schiffmann ist in Afrika