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Claus Wilhelm Turtur

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Der gebürtige Bonner Physiker Claus W. Turtur forschte jahrelang über ein Rotorkonzept, das angeblich Energie aus dem Vakuum gewinnen soll. Seine Versuche stoßen in der Fachwelt auf deutliche Skepsis, finden aber ein Publikum in alternativen Kreisen.

Karriere und wissenschaftlicher Hintergrund

Karriere und wissenschaftlicher Hintergrund

Claus Wilhelm Turtur wurde am 26. März 1961 in Bonn geboren. Nach dem Physikstudium mit den Nebenfächern Mathematik und Informatik an der Universität Bonn promovierte er 1990 an der Universität Regensburg in angewandter Festkörperphysik. Die Dissertation beschäftigte sich mit werkstoffkundlichen Fragen an Lese-Schreib-Köpfen für Magnetplatten. Danach arbeitete er im Automobilzuliefererbereich, bevor er 2001 an die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel wechselte, heute Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Dort lehrt er im Fachbereich Elektrotechnik und veröffentlichte mehrere Mathematik-Trainingsbücher für Studierende. Parallel zur konventionellen Lehre entwickelte Turtur seit Mitte der 2000er-Jahre ein privates Forschungsinteresse an der Möglichkeit, „Raum- bzw. Nullpunktsenergie“ technisch nutzbar zu machen.

Kernidee: Ein Rotor, der aus dem Vakuum Energie schöpfen soll

Kernidee: Ein Rotor, der aus dem Vakuum Energie schöpfen soll

Zentrales Element von Turturs Konzept ist ein leichtes Flügelrad aus Balsaholz und Aluminiumfolie, das auf einem Wasser- oder Ölbad schwimmt. Zwischen diesem Rotor und einer gegenüberliegenden Metallplatte liegt eine Gleichspannung von einigen Kilovolt bis zu einigen Zehn Kilovolt. Beobachtet wird eine langsame, aber kontinuierliche Drehung, deren Geschwindigkeit mit der Spannung ansteigt. Turtur interpretiert die Bewegung als Nachweis dafür, dass das Gerät mehr mechanische Leistung abgibt, als elektrisch zugeführt wird – einen „Over-Unity-Effekt“. Als physikalische Grundlage führt er eine Erweiterung des Casimir-Effekts an, jener von Hendrik Casimir 1948 vorhergesagten Kraft, die zwei parallele Metallplatten im Vakuum bei Abständen unter einem Mikrometer schwach anzieht. Turtur postuliert, dass sein elektrisches Zusatzfeld die „Wellenlängen der Quantenvakuum-Oszillationen“ so beeinflusst, dass daraus ein nutzbares Kraftpotential entsteht. Die bislang gemessene mechanische Leistung liegt nach eigenen Unterlagen im Luftversuch bei etwa 150 nW, bei Umlaufzeiten von 1 bis 16 Minuten. Im Vakuum (Restdruck 10⁻³ – 10⁻⁵ mbar) sank die Geschwindigkeit auf einen Umlauf alle zwei bis drei Stunden, wobei der gemessene Reststrom bei 0,1 pA lag.

Weblinks

  1. taz-Artikel „Herrn Turturs Physik“
  2. Quantenquark-Blog-Übersicht zu Turtur
  3. Bericht über einen misslungenen Nachbauversuch
  4. John Baez: The Vacuum, Fluctuations and the Casimir Effect

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. S. K. Lamoreaux, Demonstration of the Casimir Force in the 0.6 to 6 μm Range, Phys. Rev. Lett. 78, 5–8 (1997)
  2. A. Weber, H. Gies, Interplay between geometry and temperature for inclined Casimir plates, Phys. Rev. D 80, 065033 (2009)