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Stefan Lanka

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 21:36 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Stefan Lanka» angelegt/aktualisiert)
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Der deutsche Biologe Stefan Lanka bestreitet seit Jahrzehnten die Existenz krankmachender Viren – von HIV bis SARS-CoV-2. Seine Thesen fanden in der Wissenschaft keine Bestätigung, dafür aber ein Publikum in Impfgegner- und Verschwörungsszene.

Vom Algen-Virus zum globalen Leugner

Vom Algen-Virus zum globalen Leugner

Stefan Thomas Josef Lanka, geboren am 27. September 1963 in Langenargen am Bodensee, studierte von 1984 bis 1989 Biologie und promovierte 1994. Seine frühe Forschung konzentrierte sich auf das Ectocarpus siliculosus-Virus (EsV), ein Erreger, der Braunalgen infiziert. In seiner Diplomarbeit beschrieb Lanka selbst, dass das Virus die Fortpflanzung der Algen hemmt und dass andere Wissenschaftler bereits pathogene Wirkungen bei verwandten Viren nachgewiesen hätten. Mit diesen Erkenntnissen veröffentlichte er 1990 und 1993 gemeinsam mit Kollegen Aufsätze in Fachjournalen wie Botanica Acta und Virology. Später behauptete er jedoch, es gebe „in der Geschichte der Biologie oder Medizin keinen Beweis der Existenz eines pathogenen Virus“ – eine Aussage, die seinen eigenen frühen Publikationen widerspricht. Seit Mitte der 1990er-Jahre verließ Lanka den etablierten wissenschaftlichen Diskurs und verbreitete in Esoterikmedien die These, krankheitsauslösende Viren existierten schlichtweg nicht.

Bücher, Prozesse, Preise – die öffentliche Karriere des Leugnens

Bücher, Prozesse, Preise – die öffentliche Karriere des Leugnens

Lanka gründete den W-Plus Verlag (seit 2020 in der Schweiz registriert, 49 % Anteile im eigenen Besitz) und veröffentlichte Titel wie Impfen und AIDS: Der neue Holocaust oder Die Vogelgrippe – Der Krieg der USA gegen die Menschheit. In Vorträgen und auf seinem Blog „Wissenschaftplus“ verbreitet er die Auffassung, AIDS werde nicht durch HIV, Ebola nicht durch Viren und COVID-19 nicht durch SARS-CoV-2 verursacht. Stattdessen führt er psychische Traumatisierung oder „Durchfallerkrankungen“ als Todesursachen an. Diese Positionen stoßen in der Fachwelt auf einhellige Ablehnung. 2015 erhielt Lanka den satirischen „Goldenen Brett vorm Kopf“ der GWUP und der Gesellschaft für kritisches Denken als „größten antiwissenschaftlichen Unsinn des Jahres“. Bereits zuvor war er wiederholt wegen Beleidigung verurteilt worden: 2002 nannte er einen Richter „scientologischen Babyficker“, 2005 einen Amtsleiter „feuchten Nazifurz“, 2009 den ehemaligen RKI-Chef Reinhard Kurth „Massenmörder“. Die Strafen beliefen sich auf Geld- und Tagessatzstrafen zwischen 750 und 1.500 Euro.

Weblinks

  1. CDC-Informationen zur Isolierung von SARS-CoV-2
  2. WHO-Statistik zu weltweiten Todesursachen

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. Urteil Landgericht Ravensburg, Az. 4 O 107/14, 12. März 2015
  2. Urteil Oberlandesgericht Stuttgart, Az. 12 U 63/15, 16. Februar 2016