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Tierkommunikation

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 21:00 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Tierkommunikation» angelegt/aktualisiert)
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Seit den 1990er-Jahren bieten selbsternannte Tierkommunikatoren an, mit Tieren auf telepathischem Weg zu kommunizieren – auch über den Tod hinaus. Die Methode ist umstritten und wissenschaftlich nicht belegt.

Angebot und Ablauf telepathischer Tiergespräche

Tierkommunikatoren werben bundesweit über Internetseiten, Anzeigen und Vortragsveranstaltungen damit, mit Haustieren, Nutztieren oder vermissten Tieren „in Kontakt treten“ zu können. Für die Beratung reicht nach Angaben der Anbieter häufig ein Foto des Tieres; ein persönliches Treffen ist nicht nötig. Die Kommunikation soll auch mit verstorbenen Tieren möglich sein. Erkrankten Tieren wird zudem zu entlocken versucht, welches homöopathische Mittel oder welche Bachblüte ihnen helfen könnte. Eine Session vor Ort dauert laut Preislisten 15 bis 30 Minuten und kostet zwischen 40 und 250 Euro zuzüglich Fahrtkosten. Gespräche auf Distanz beginnen bei etwa 25 Euro. Die Dienstleistung wird fast ausschließlich von Personen ohne veterinärmedizinische Ausbildung erbracht.

Prominente Unterstützung und esoterische Begründungen

Zu den bekannten Befürwortern zählt die Schauspielerin und ehemalige bayerische Landtagsabgeordnete Barbara Rütting, die bis 2009 das Tierschutzressort der Grünen-Fraktion innehatte. Um die Praxis wissenschaftlich zu legitimieren, greifen Anhänger gern auf Begriffe aus der Quantenphysik zurück. So wird die Verschränkung von Photonen oder die Existenz von „Quantenhologrammen“ herangezogen, ohne dass ein nachvollziehbarer Zusammenhang zur angeblichen Telepathie mit Tieren dargestellt wird. Die Behauptungen lassen sich weder überprüfen noch falsifizieren und werden von etablierter Wissenschaft nicht gestützt.

Historische Vorläufer und wissenschaftliche Abgrenzung

Die Vorstellung, Menschen könnten mit Tieren sprechen, ist kulturell alt: In Märchen kommen sprechende Tiere häufig vor. Als frühes Beispiel wird mitunter Franz von Assisi genannt, dem Legenden zufolge ein Gespräch mit Tieren gelang. Historische Quellen aus dem 13. Jahrhundert erwähnen jedoch keine außergewöhnliche Tierliebe des Heiligen. Die moderne, kommerziell betriebene Tierkommunikation hat nichts mit der wissenschaftlichen Erforschung tierlicher Kommunikationssysteme zu tun, die sich mit Lauten, Gerüchen, Körpersignalen und anderen artspezifischen Zeichen beschäftigt.

Weblinks

  1. Tiersprache – Wikipedia