Contra Magazin
Das 2013 gegründete Contra Magazin war ein österreichisches Online-Medium, das bis 2021 rechtspopulistische und verschwörungstheoretische Inhalte verbreitete. Hinter der auf den Seychellen und den Philippinen angesiedelten Impressumsstruktur standen österreichische Betreiber.
Gründung, Erscheinen und rechtliche Konstruktion

Das Contra Magazin ging im Herbst 2013 als werbefinanziertes Online-Projekt an den Start. Die Domain wurde über eine Konstruktion betrieben, die zunächst die All Inclusive Media Inc. mit Postfach auf den Seychellen und später die JuMa Trading auf den Philippinen als formale Herausgeberin aufführte. Verantwortlicher Chefredakteur war laut Impressum der österreichische Bäcker Marco Maier aus Purkersdorf. Tatsächlich gesteuert wurde das Portal jedoch nach Recherchen mehrerer Medien vom Wiener Taxifahrer und Elektriker Andreas Keltscha, der sich unter anderem auf Facebook als „Andre Eric Keller“ präsentierte und dem rechten Rand der FPÖ zugerechnet wird. Keltscha nutzte das Pseudonym „Andre Eric Keller“ ebenfalls auf dem Karrierenetzwerk Xing, wo er sich als Herausgeber des Magazins bezeichnete. Die technische Infrastruktur lag trotz Offshore-Adressen auf österreichischen Servern, wie IP-Abfragen zeigten. Seit Februar 2022 ist die Seite nicht mehr erreichbar, die letzte redaktionelle Aktivität datiert auf September 2021.
Redaktion, Autoren und thematische Ausrichtung

Neben Keltscha und Maier fungierten mehrere freie Mitarbeiter als Autoren. Namentlich erwähnt werden etwa der Journalist Ernst Wolff, der Publizist Wolfgang Eggert, der Sputnik-Autor Rüdiger Rauls sowie Christian Saarländer, der unter weiteren Pseudonymen wie „Christian Lehmann“ auch für die prorussische Plattform News Front schrieb. Das Magazin bezeichnete sich selbst als „alternativ“ und kündigte an, „das zu schreiben, was der Mainstream verschweigt“. Inhaltlich fokussierte sich das Portal auf Themenfelder, die sich mit klassischen Verschwörungserzählungen überschneiden: angebliche „Asylindustrie“, Klimaskepsis, Chemtrails, angebliche gesundheitliche Gefahren durch Mikrowellenherde sowie geopolitische Narrative, die westliche Politiken als von außen gesteuert darstellten. Beispielhaft steht ein Beitrag, der die Erderwärmung als „Lüge“ bezeichnete und stattdessen eine neue Eiszeit prognostizierte, gestützt auf einen nicht begutachteten Artikel des russischen Klimaskeptikers Khabibullo Abdussamatov aus dem Jahr 2012. Auch die sogenannte Sarkozy-Verschwörung, der zufolge der französische Ex-Staatschef eine „Rassenvermischung“ mit staatlicher Gewalt erzwingen wolle, wurde prominent verbreitet.
Vernetzung mit anderen Medien und Kooperationspartnern

Das Contra Magazin pflegte enge inhaltliche und formale Verflechtungen mit zahlreichen ebenfalls als „alternativ“ auftretenden Angeboten. Unter der Rubrik „befreundete Portale“ führte es unter anderem die Gold-Handelsplattform Hartgeld.com des Publizisten Walter K. Eichelburg, die Videoseite Quer-Denken.TV von Michael Vogt, die Nachrichtenseiten Extremnews und Neopresse sowie das NeuZeit Magazin. Inhaltlich arbeitete das Portal mit dem russischen Staatssender RT Deutsch zusammen: Artikel erschienen mit dem Hinweis „Der Artikel erschien zunächst auf Contra-Magazin und wurde im Zuge einer Content-Partnerschaft übernommen“. Auch Sputnik und die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti zitierten Beiträge des Magazins, wodurch diese einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht wurden. Weitere Kooperationen bestanden mit dem Impresservice DEURU aus Uruguay sowie mit Marketing-Dienstleistern wie Ortus Marketing. Zudem übernahm das Portal regelmäßig Texte des US-Blogs Zero Hedge, der unter dem Kollektivpseudonym „Tyler Durden“ anonymisierte Beiträge veröffentlicht und ebenfalls eine skeptische bis antiwestliche Agenda verfolgt.
Finanzierung und Spendensystem
Die wirtschaftliche Basis des Projekts war schmal. In einem Spendenaufruf 2018 beklagte die Redaktion, dass durchschnittlich nur 250 Euro monatlich eingingen, was „nicht ausreiche, um das Magazin zu betreiben und vor allem mindestens zwei Haushalte durchzubringen“. Honorare für freie Autoren seien damit kaum möglich. Neben Bannerwerbung wurde daher wiederholt um Leserspenden gebeten, um „unabhängig“ von „Internetgiganten“ zu bleiben. Konkrete Einnahmequellen oder geschäftliche Zahlen wurden nicht offengelegt.
Weblinks
- Bericht über rechte Parallelmedien bei Meedia
- Falter-Artikel „Nichts ist wahr, alles ist möglich“
- Dossier von stopptdierechten.at