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Dr. Hittich Gesundheitsmittel

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:40 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Dr. Hittich Gesundheitsmittel» angelegt/aktualisiert)
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Die GP Health Products B.V. aus Kerkrade bewirbt Nahrungsergänzungsmittel mit Schlagworten wie „Hirnwelke“ oder „Der Tod steckt im Darm“. Fachgesellschaften sprechen von Angstmache und raten dringend zur ärztlichen Konsultation.

Rechtsform und Vertriebsstruktur

Rechtsform und Vertriebsstruktur

GP Health Products B.V. mit Sitz in Kerkrade (Niederlande) vertreibt Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetik per Post nach Deutschland. Geschäftsführer ist der promovierte Biochemiker Reinhard Hittich, der in Eupen (Ostbelgien) wohnt. Die Kundenansprache erfolgt über deutschsprachige Internetseiten, Zeitungsanzeigen und Werbebriefe, die häufig mit fiktiven Absendern wie „Dr. Zimmermann“ oder „Dr. Weißenberg“ versehen sind. Ein Postfach in Düsseldorf dient als deutscher Briefkasten, damit Sendungen innerhalb der EU zollfrei zugestellt werden können. Die Produkte werden als „Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke“ deklariert, wodurch sie nicht dem deutschen Heilmittelwerbegesetz unterliegen, sondern den weniger strengen niederländischen Lebensmittelvorschriften.

Kritisierte Werbeaussagen und rechtliche Schritte

Kritisierte Werbeaussagen und rechtliche Schritte

Deutsche Verbraucherzentralen und Fachgesellschaften monieren seit Jahren eine Mischung aus Krankheitsangst und übertriebenen Wirkversprechen. Die Broschüre „Gesundheits-Alarm! Retten Sie Ihre Prostata“ vermenge nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) korrekte medizinische Fakten mit irreführenden Empfehlungen. Der DGU-Arbeitskreisschef Claus Fischer warnte, Männern werde suggeriert, auf Arztbesuche verzichten zu können, wenn sie „überteuerte Wunderpillen“ kauften. Die Verbraucherzentrale Hessen ließ eine Anzeige für „Blasenkapseln“ abmahnen, in der von einer „Formel der Natur“ und einem „Wundermittel“ die Rede war. Auch die Bundesvereinigung der Verbraucherzentralen erstattete 2004 Strafanzeige, weil unter Pseudonymen Briefe versandt wurden, die vor ärztlicher Behandlung warnten. 2011 warnte die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern vor gefälschten Paket-Benachrichtigungen, die nur Zweck hatten, Empfänger auf Hittichs Webseiten zu locken.

Produktpalette und Preisstruktur

Das Sortiment umfasst überwiegend Nahrungsergänzungsmittel wie Spirulina, OPC, Vitamin-E- und Vitamin-C-Kapseln, Weihrauch-Präparate, Q10, KAMUT®-Gras, Ginseng-Dragees sowie das aus fermentierten Sojabohnen gewonnene Nattoplasmin. Laut Unternehmensangaben zählen „Spirulina Premium“, „OPC Premium“ und „Eskimo-3 Royal“ zu den meistverkauften Artikeln. Telefonische Kundenberater sollen laufend zu Sammelbestellungen oder Jahresvorräten animieren; Preisvergleiche zeigen, dass die Kapseln deutlich über dem deutschen Marktniveau liegen. Bücher, Wasserfilter und Körperpflegeprodukte runden das Programm ab.

Zitate

In verwirrender Weise werden darin Fakten und falsche Aussagen zu den Krankheiten der Prostata vermischt. Das einzige Ziel dieser Aneinanderreihung von Halbwahrheiten scheint darin zu bestehen, Männern zu suggerieren, auf den Arztbesuch verzichten zu können, wenn sie nur die überteuerten Wunderpillen kaufen. — Claus Fischer, Vorsitzender des Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Weblinks

  1. Verbraucherzentrale Hessen: Finger weg von „Dr. Hittich“
  2. Pressemitteilung Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern: Ominöse Paket-Zustellungs-Mitteilung
  3. Der Standard: Urologen warnen vor Dr. Hittichs Wunderpillen

Veröffentlichungen