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Kurt Tepperwein

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:32 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Kurt Tepperwein» angelegt/aktualisiert)
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Der 1932 geborete Kurt Tepperwein baute über Jahrzehnte ein Netzwerk aus Esoterik- und Finanzratgeber-Produkten auf. Dabei geriet er wiederholt in die Kritik – wegen zweifelhafter Roulette-Strategien, nicht anerkannter Titel und fragwürdiger Vertriebsmethoden.

Vom Tischler zum Multi-Level-Marketing-Anbieter

Vom Tischler zum Multi-Level-Marketing-Anbieter

Nach eigenen Angaben absolvierte Kurt Tepperwein eine Tischlerlehre und arbeitete später als Unternehmensberater. Seit den 1980er-Jahren trat er als Autor zahlreicher Ratgeber in Erscheinung, die sich an Leser richteten, die schnellen Reichtum oder spirituelle Erleuchtung suchten. Die Geschäftsaktivitäten konzentrierte er auf die „Tepperwein Collection AG“ mit Sitz in Schaan (Liechtenstein). Das Unternehmen vertreibt über ein Franchise-System Produkte wie CDs mit sogenannten Subliminals, „Energiewässer“, Reinigungsmittel, Textilien aus Tachyonen-Material und Kunststoffchips, denen eine besondere Wirkung zugeschrieben wird. Parallel betreibt Tepperwein die „Internationale Akademie der Wissenschaften“ (IAW), ebenfalls in Liechtenstein. Dort werden mehrtägige Seminare angeboten, deren Absolventen ein Diplom erhalten. Da die IAW keine staatlich anerkannte Ausbildungsstätte ist, rät die Organisation selbst dazu, den Zusatz „Diplom nach Kurt Tepperwein“ zu verwenden, um rechtliche Probleme zu vermeiden.

Roulette-System „Angelika“ und mathematische Realität

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In den 1990er-Jahren bewarb Tepperwein gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Angelika ein angebliches Gewinnsystem für Roulette. Unter dem Namen „Angelika-System“ oder „Millionenspiel“ versprach die Strategie, mit einer besonderen Einsatzprogression „Dauergewinne“ zu erzielen. In Werbebroschüren wurde eine 24-jährige Zahnarzthelferin als „Schrecken der Spielbanken“ präsentiert, die sich dank des Verfahrens Mercedes, Eigenheim und Luxusreisen leisten könne. Tatsächlich basierte das System auf einer Variante der Martingale-Progression: Nach jedem Verlust wird der Einsatz verdoppelt, bis ein Gewinn die vorherigen Verluste ausgleicht. Mathematisch führt diese Methode jedoch zwangsläufig zu exponentiell steigenden Risiken: Begrenzte Tischlimits und das endliche Kapital des Spielers machen längere Verlustserien ruinös. Die Spielbank Travemünde unterstützte die Promotion offenbar, weil das System langfristig keinen Vorteil bringt. Für eine Reportage ließ man sich außerhalb der Öffnungszeiten mit Scheinen und Jetons fotografieren, um den Eindruck ständiger Gewinne zu erwecken.

Gerichtsurteil wegen Titelmissbrauchs

Gerichtsurteil wegen Titelmissbrauchs

Am 16. August 2005 erließ das Amtsgericht Memmingen einen rechtskräftigen Strafbefehl gegen Tepperwein. Gegen eine Geldstrafe von 6.000 Euro (60 Tagessätze à 100 Euro) wurde er wegen „Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen“ (§ 132a StGB) verurteilt. Hintergrund war ein Seminar im Oktober 2004 in Memmingen, für das er sich in Flyern als „Prof. Dr. phil.“ bezeichnete. Weder die Professur noch der Doktortitel waren rechtmäßig erworben: Die Clayton University, die den Grad verlieh, ist keine anerkannte US-Hochschule, und die Führung des Professors war ebenfalls unzulässig. Das Urteil wurde am 6. September 2005 rechtskräftig.

Buchproduktion und heutige Präsenz

Trotz wiederholter Kritik publizierte Tepperwein bis in die 2010er-Jahr hinein neue Titel. Zu seinen bekannten Werken zählen „Nie mehr arbeiten – bezahlter Urlaub für immer“ (2008) sowie Ratgeber zur „telepathischen Sensitivität“ und zum „Verkäufer-Image“. Die meisten Bücher erscheinen bei kleinen Verlagen oder im Eigenverlag; sie mischen populärwissenschaftliche Esoterik mit konkreten Tipps zur Selbstständigkeit und Geldanlage. Heute lebt der Unternehmer überwiegend auf Teneriffa, unterhält jedoch auch Wohnsitze in Lindau-Bodolz und Weißensberg (Bayern). Mit seiner Ehefrau Elke „Nada“ Tepperwein-Breidenbach steuert er weiterhin das Liechtensteiner Netzwerk aus Akademie und Versandhandel. Aus früheren Ehen stammen insgesamt drei Kinder, darunter der Sohn Peter Breidenbach, der ebenfalls als Coach und Seminaranbieter aktiv ist.

Weblinks

  1. AGPF: Detailseite zu Kurt Tepperwein

Veröffentlichungen

  • Tepperwein, Kurt: Nie mehr arbeiten – bezahlter Urlaub für immer. Wangen im Allgäu 2008
  • Tepperwein, Kurt; Aeschbacher, Franz: Vom Verkäufer zum Problemlöser. Bergisch Gladbach 2008

Einzelnachweise

  1. Strafbefehl des Amtsgerichts Memmingen, Az. 2 Cs 23 Js 17488/04, 16. August 2005