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Jens Wurster

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:32 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Jens Wurster» angelegt/aktualisiert)
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Der deutsche Arzt Jens Wurster behandelt Krebs- und COVID-19-Patienten ausschließlich mit homöopathischen Mitteln. Seine Methode, Tumore ohne Chemotherapie oder Operation zu therapieren, stößt auf breite Kritik.

Werdegang und Praxisstandorte

Werdegang und Praxisstandorte

Jens Wurster, geboren am 29. März 1967 in Düsseldorf, arbeitet seit den 1990er-Jahren als Arzt in der Schweiz. Von 1998 bis Anfang 2019 war er an der Clinica Dr. Spinedi in Orselina im Kanton Tessin tätig, einer Einrichtung, die sich auf Klassische Homöopathie spezialisiert hatte. Seit Juni 2019 führt er eine eigene Praxis im nahegelegenen Minusio, einem Stadtteil von Locarno. Neben der Patientenbetreuung wirkt er als Referent und Autor, um seine Erfahrungen mit homöopathischen Konzepten weiterzugeben.

Bücher und Lehren zur Krebstherapie

Bücher und Lehren zur Krebstherapie

In seinem 2009 erschienenen Werk „Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore“ schildert Wurster Fallberichte, in denen Tumore demnach ohne Strahlentherapie, Chemotherapie oder Operation verschwunden sein sollen. Der Narayana-Verlag, der sich auf homöopathische Literatur konzentriert, vertreibt das Buch. Wurster behauptet, mit Einzelmitteln wie Conium sei bei Brusttumoren eine Rückbildung möglich, diagnostische Maßnahmen wie Biopsie hält er für kontraproduktiv, weil sie seiner Ansicht nach „Tumorzustände“ auslösen könnten. Zudem propagiert er eine „Krebsprävention“ durch langfristige homöopathische Behandlung bereits bei Kindern. Parallel empfiehlt er ernährungstherapeutische Konzepte, darunter die Gerson-Diät, die Budwig-Öl-Eiweiß-Kost oder Vollwertkost nach Bircher-Benner.

Fortbildungen und wissenschaftliche Einbindung

Fortbildungen und wissenschaftliche Einbindung

Wurster ist regelmäßig als Dozent auf Kursen des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte sowie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) und der Hahnemann-Gesellschaft gelistet. Auch die Schule für Klassische Homöopathie Zürich lädt ihn zu Vorträgen ein. Teilnehmer solcher Seminare können in Deutschland Fortbildungspunkte erwerben, obwohl dort Inhalte vermittelt werden, die mit der evidenzbasierten Onkologie kaum übereinstimmen. In Vorträgen berichtet Wurster von angeblich 20-prozentig höheren Überlebensraten bei Brustkrebspatientinnen, die auf Chemotherapie verzichtet hätten, eine Behauptung, die sich weder in Registerdaten noch in Studien bestätigen lässt.

Homöopathische COVID-19-Behandlung

Während der Corona-Pandemie behandelte Wurster nach eigenen Angaben über 70 Personen mit Verdacht oder labortechnisch bestätigter SARS-CoV-2-Infektion ausschließlich per Telefon oder Skype. Als Hauptmittel setzte er Bryonia ein, bei schweren Verläufen zusätzlich Lachesis, Arsenicum album oder Carbo vegetabilis. In einem Beitrag für die Zeitschrift „Natur und Heilen“ berichtet er, 80 Prozent der Patienten seien dadurch beschwerdefrei geworden. Er verweist zudem auf historische Angaben zur Spanischen Grippe, wonach die Sterblichkeit homöopathisch behandelter Patienten angeblich bei nur einem Prozent gelegen habe, während die Allgemeinbevölkerung eine 30-prozentige Sterberate erlitten habe. Dass Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, eine kausale Rolle von „Materia peccans“ wie Viren ablehnte, erwähnt Wurster dabei nicht.

Kritik und rechtliche Rahmenbedingungen

Onkologische Fachgesellschaften warnen vor dem Verzicht auf wirksame Tumortherapien. Die Schweizer Gesundheitsbehörden überprüften wiederholt Werbeaussagen der Clinica Dr. Spinedi, woraufhin die Klinik 2017 Teile ihrer Onlineauftritte änderte. Auch das Schweizer Boulevardmagazin „Blick“ dokumentierte Fälle, in denen Patienten nach alternativer Behandlung ihre konventionelle Therapie abbrachen. Wurster selbst berichtet von Drohungen seitens Kollegen, ihn beim Kantonsarzt zu melden, sollte er Tumorpatienten ausschließlich homöopathisch betreuen. Dennoch hält er an seiner Überzeugung fest, dass „Tumoren verschwinden“ können, wenn man die richtigen homöopathischen Mittel einsetzt.

Zitate

Wir haben mit der Homöopathie einmal die Möglichkeiten, die Nebenwirkungen und Schäden von Chemotherapien und Bestrahlungen zu lindern und wir können oftmals die Überlebenszeit bei guter Lebensqualität deutlich verlängern. — Wurster in einem Vortrag, zitiert nach Spiegel Nr. 41

Die Homöopathie hat eine unglaubliche Kraft, auf Tumore einzuwirken und diese manchmal auch zurückzubilden. — Vortragsmanuskript Liga-Kongress 2005

Wenn man Tumorpatienten nur homöopathisch behandeln möchte, muss man das heutzutage fast noch heimlich tun, um nicht als verantwortungslos von den ärztlichen Kollegen bezeichnet zu werden. — Wurster, Seminarmitschrift 2008

Weblinks

  1. Blick-Artikel über COVID-19-Behandlung mit Globuli
  2. NZZ-Bericht zur Homöopathie-Klinik
  3. Edzard Ernst: Homeopathy for cancer (engl.)

Veröffentlichungen