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Angelika Müller

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:31 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Angelika Müller» angelegt/aktualisiert)
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Angelika Müller ist eine prominente Stimme der Impfgegner-Bewegung in Deutschland. Sie gründete mehrere Vereine, leugnet die Krankheitsursache Virus und verbreitet seit Jahren medizinisch widerlegte Behauptungen über Impfungen.

Vereinsgründungen und Netzwerke

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Angelika Müller, bis 2012 unter dem Namen Angelika Kögel-Schauz bekannt, ist eine Softwareentwicklerin aus Friedberg bei Augsburg. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit betreibt sie einen Büroservice und wird zudem als Inhaberin der Firma „Advanced Papers“ ihres Ehemannes Roland Müller genannt. Seit rund zwei Jahrzehnten engagiert sie sich jedoch vor allem als Impfgegnerin. Sie steht der Interessengemeinschaft „EFI – Eltern für Impfaufklärung“ vor, die eine eigene Website betreibt. Gemeinsam mit Sieglinde Kaufmann aus Dresden, Vorsitzende des dortigen EFI-Ortsvereins, und Sonja Houzer ist Müller auch im Verein „Impfaufklärung e.V.“ aktiv. Als Reaktion auf das 2019 verabschiedete Masernimpfpflichtgesetz gründete sie mit Sandra Blum die „Initiative Freie Impfentscheidung“, die sich online und in sozialen Netzwerken eng mit dem Verein „Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung e.V.“ vernetzt. Müller verwaltet außerdem die Facebook-Seite „Deutschland verbrennt den Impfpass“, deren Domain sie im Juli 2014 registrierte.

Grundannahmen: Viren als „Informationsträger“, Fieber als Heilreaktion

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Zentrale medizinische Lehrmeinungen lehnt Müller ab. Sie bestreitet, dass Viren Krankheiten auslösen können, und bezeichnet sie stattdessen als „Informationsträger“, die bei entsprechender Disposition die Selbstheilungskräfte aktivieren. Fieber wertet sie als „äußerst heilsamen Prozess“. Diese Sichtweise führt sie in Vorträgen, Pamphleten und auf verschiedenen Webseiten wie denen von Hans Tolzin, im „Neue Impulse Treff“, in der „Kent-Depesche“ und in Kreisen von Anhängern der Urkost-Lehre vor. Auch auf ihrer eigenen Seite „gesundheitlicheaufklaerung.de“ verbreitet sie entsprechende Thesen. Als persönlichen Auslöser für ihr Engagement gibt sie eine angebliche Impfkomplikation bei einem ihrer Kinder an, die zu einer Schwerbehinderung geführt habe. Sie hält es darüber hinaus für sinnvoll, dass Kinder Masern durchmachen, da sie glaubt, dies verhindere spätere Säuglingsmasern.

Fehleinschätzungen zur Schwangerschaft und Mikrobiologie

In der „Kent-Depesche“ 5/2010 forderte Müller, auf Routineuntersuchungen in Schwangerschaft und Neugeborenenzeit zu verzichten. Sie warnte etwa vor Ultraschalluntersuchungen mit dem Hinweis, das Geräusch könne für das Ungeborene „wie kreischende Kreissägen“ klingen und Todesangst auslösen. Auch den Guthrie-Test zur Früherkennung der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie lehnte sie ab. Mehrfach zeigt sich, dass Müller über keine fachliche Qualifikation in Medizin oder Biologie verfügt. So behauptete sie etwa, Menschen seien mit Viren und Bakterien „eng verwandt“, obwohl Viren nichtmal zelluläre Strukturen besitzen und Bakterien als Prokaryoten einen Zellkern fehlt, während Menschen zu den Eukaryoten gehören.

Historisch falsche Behauptungen zu Allergien und Impfungen

Auf ihrer Website „impfen-macht-krank“ schreibt Müller, ein homöopathischer Arzt habe auf der von ihr 1997 organisierten „1. Impfkritiker-Konferenz“ erklärt, Heuschnupfen sei erst seit Einführung der Pockenimpfung bekannt. Diese Darstellung ist historisch unhaltbar: Erste systematische Pockenimpfungen begannen 1771, während sich Hinweise auf pollenbedingte Nasenschleimhautentzündungen bereits für das 9. Jahrhundert n. Chr. finden. Der persische Gelehrte Rhazes soll um 900 n. Chr. ein regelmäßig zur Rosenblüte auftretendes Symptombild beschrieben haben; in Europa taucht das sogenannte Rosenfieber seit dem 16. Jahrhundert auf. Ebenso wenig haltbar ist Müllers Behauptung, in der DDR sei wegen der Impfpflicht kaum Allergie aufgetreten, weil man „allergikergeeignete“ Kinder nicht geimpft habe. Epidemiologische Daten zeigen, dass Allergien dort erst nach 1989 deutlich zunahmen – parallel zu einem Rückgang der Impfraten. Hätten Impfungen Allergien verursacht, müsste bei sinkender Rate auch die Allergiehäufigkeit gesunken sein; stattdessen stieg sie.

Statistische Fehlinterpretationen der KIGGS-Studie

Um zu belegen, geimpfte Kinder seien häufiger von Allergien oder „Hirnerkrankungen“ betroffen, greift Müller auf Rohdaten der KIGGS-Studie des Robert Koch-Instituts zurück. Aus den Tabellen erstellt sie einfache Säulendiagramme, die angeblich zeigen, dass geimpfte Kinder öfter einen Logopäden aufsuchen, Brillen tragen oder an ADHS leiden. Die Grafiken berücksichtigen jedoch weder statistische Signifikanz noch Störfaktoren. Die bloße Angabe „Logopäde“ etwa vermischt unterschiedlichste Ursachen wie Sprachverzögerung, Hörstörung oder Stottern; „Brillenträger“ erfasst primär angeborene Fehlsichtigkeiten. Wissenschaftliche Arbeiten, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien oder ADHS belegen, liegen nicht vor.

Zitate

Ungeimpfte Kinder sind auch für die Gesellschaft ein Segen, weil sie die natürlichen und notwendigen Abläufe bei Infektionskrankheiten aufrechterhalten. — Blog „gesundheitlicheaufklaerung.de“, Artikel „impfen-macht-krank“

Viren sind nicht die Ursache der Infektionskrankheiten, allenfalls Informationsträger, die bei einer entsprechenden Disposition die Selbstheilungskräfte ankurbeln. — Forum Impfen, 15. März 2001

Weblinks

  1. EFI – Eltern für Impfaufklärung
  2. Gesundheitliche Aufklärung – Blog von Angelika Müller
  3. KIGGS-Studie des Robert Koch-Instituts
  4. Informationen des RKI zu Impfgegner-Argumenten

Veröffentlichungen

  • Hau FR: Razis Gutachten über Rosenschnupfen