Clemens Kuby
Der Filmemacher und Bestsellerautor Clemens Kuby nutzt seine eigene Unfallgeschichte, um ein millionenschweres Esoterik-Imperium aufzubauen. Dabei stellt er Schulmedizin und wissenschaftliche Erkenntnisse infrage.
Der Sturz, der alles veränderte

Am 3. November 1981, kurz nach 3 Uhr nachts, rutschte der 34-jährige Dokumentarfilmer Clemens Kuby auf einem regennassen Fenstersims in 15 Metern Höhe aus und stürzte auf Asphalt. Der Unfall ereignete sich in einer Vollmondnacht; Kuby selbst bezeichnet sich gern als „ein wenig mondsüchtig“. Die Folgen waren schwerwiegend: Ein Bruch des zweiten Lendenwirbels, Querschnittslähmung, Nottransport per Hubschrauber in die damals renommierte Unfallklinik Heidelberg-Schlierbach. Noch während des Flugs beschloss Kuby, sich von Ehefrau, Haus, Mutter und bisherigem Beruf zu trennen. Die anfängliche Prognose der Ärzte klingt in späteren Interviews dramatisch: Leben im Rollstuhl, keine Aussicht auf Heilung. Doch nach Wochen und Monaten kam es zu einer teilweisen Rückbildung der neurologischen Ausfälle – ein Verlauf, den Mediziner als typisch für einen spinalen Schock mit anschließender Remission einstufen. Kuby selbst interpretiert den Heilungsprozess anders: Er habe durch reine Gedankenkraft und eine „neue Lebensperspektive“ seine Lähmung überwunden. Krankenakten oder Röntgenbilder legt er bis heute nicht vor; lediglich eine verminderte Sensibilität im rechten Fuß gibt er als bleibende Folge an. Die Geschichte wird zur zentralen Marke seines späteren Geschäftsmodells.
Vom Filmregisseur zum Esoterik-Unternehmer

Geboren 1947 in Oberbayern, besuchte Kuby zunächst die reformpädagogische Odenwaldschule, studierte danach Geschichte, Soziologie, Recht und VWL an der Freien Universität Berlin und absolvierte anschließend die Deutsche Film- und Fernsehakademie (DFFB). Als Regisseur drehte er zunächst sozialkritische Dokumentationen, später spirituelle Porträts wie „Living Buddha“ über die Wiedergeburt des Karmapa. Nach dem Sturz wendet er sich ausschließlich dem Thema Selbstheilung zu. 2001 veröffentlicht er den Film „Unterwegs in die nächste Dimension“, in dem er weltweit Schamanen und Heiler aufsucht. Parallel entsteht ein gleichnamiges Buch, das sich bis heute in mehreren Auflagen verkauft. 2005 gründet Kuby gemeinsam mit seiner Frau Astrid zunächst die SHP-Akademie GmbH – im Handelsregister Augsburg unter „Fotolabors“ geführt – und später die „Europäische Akademie für Selbstheilungsprozesse“ (SHP) als gemeinnützige Stiftung. Hauptsponsor ist der österreichische Immobilienerbe Martin Scheurer. Das Kerngeschäft: kostenpflichtige Seminare, Vorträge, DVDs und ein 1,99-Euro-Minuten-Telefonhotline-Service, über den „Diplom-SHP-Berater“ Ratsuchende an alternative Therapeuten vermitteln. Medizinische oder psychologische Qualifikationen der Berater nennt Kuby nicht.
Zitate
Ich bin davon überzeugt, daß die tiefste Ursache für eine Krankheit immer seelischer Art ist, so daß eine Krankheit letztlich nur über die Seele geheilt werden kann. — Interview Visionen, Dezember 2005
Es ist noch nie gelungen, Viren zu isolieren, und deshalb glaube ich auch nicht, dass es sie gibt. — Vortrag Mitschrift
Wenn ich nicht an die Wirkung von Penicillin glaube, wird mir dieses Mittel auch nicht helfen. — Interview bio 6/2003
Weblinks
- Offizielle Website von Clemens Kuby
- Europäische Akademie für Selbstheilungsprozesse (SHP-Stiftung)
- Leseprobe „Unterwegs in die nächste Dimension“
Veröffentlichungen
- Unterwegs in die nächste Dimension