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Thomas Hornauer

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:19 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Thomas Hornauer» angelegt/aktualisiert)
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Der gelernte Gießer aus Plüderhausen baute ein Millionen-Imperium mit Esoterik-Hotlines auf, verlor Sendelizenzen und gründete ein „Heiliges Königreich“ – bis heute bleibt er eine schillernde Figma zwischen Geschäftsmann und Guru.

Vom Handwerker zum Medienunternehmer

Vom Handwerker zum Medienunternehmer

Geboren am 3. Juli 1960 in Plüderhausen, absolvierte Thomas Gerhard Hornauer zunächst eine Lehre als Gießer. Später betätigte er sich als Kneipenmusiker und T-Shirt-Drucker, ehe er 2003 für 1,6 Millionen Euro den insolventen baden-württembergischen Regionalsender B.TV übernahm. Hornauer transformierte das Programm binnen kürzester Zeit: Statt Lokalnachrichten strahlten nun Wahrsager, Kartenleger und Hellseher, die Zuschauer konnten über kostenpflichtige 0190-Nummern Lebensberatung erhalten. Die Einnahmen aus den Telefonhotlines stiegen rasch in Millionenhöhe, doch das Geschäftsmodell geriet ins Visier der Aufsicht. Nachdem sich seine Verbindungen zur umstrittenen Wankmiller-Sekte „Stamm der Likatier“ herumgesprochen hatten, entzog das Verwaltungsgericht Stuttgart die Sendelizenz – der Betrieb wurde eingestellt.

Telemedial und der Lizenzverlust in Österreich

Telemedial und der Lizenzverlust in Österreich

Bereits ein Jahr vor dem Aus für B.TV hatte Hornauer mit „Telemedial“ einen zweiten Esoterik-Sender auf Satellit gegründet, der von Ludwigsburg aus sendete und ebenfalls auf teure Sondernummern setzte. Die österreichische Rundfunkbehörde gewährte eine Lizenz unter der Bedingung, dass Redaktion und Leitung in Österreich angesiedelt sind. Als klar wurde, dass das Programm weiter aus Deutschland gesteuert wurde, widerrief die KommAustria die Lizenz. Hornauer zog vor den Wiener Verwaltungsgerichtshof, erreichte eine vorläufige aufschiebende Wirkung, doch ab Juli 2008 musste Telemedial endgültig den Sendebetrieb einstellen. Ein rudimentärer Livestream existierte noch einige Zeit, bot jedoch kaum mehr als Wiederholungen und technische Störungen.

Telekontor: Geldfluss aus 0190-Hotlines

Telekontor: Geldfluss aus 0190-Hotlines

Haupteinnahmequelle hinter den TV-Formaten war die Telekontor GmbH & Co. KG mit Sitz in Plüderhausen, deren Geschäftsführer Hornauer ist. Das Unternehmen bezeichnete sich selbst als Marktführer für Telefonmehrwertdienste und arbeitete unter anderem mit NBC, ProSieben, Sat.1, DSF und der Deutschen Telekom zusammen. Kritiker warfen dem Konzern wiederholt überhöhte Tarife für Auskunfts- und Beratungsgespräche vor. 2006 entzog die Bundesnetzagentur der Telekontor die Rufnummer 11869, weil statt eines neutralen Auskunftsdienstes Anrufer in kostenpflichtige astrologische Beratungen weitergeleitet wurden. Trotz regulatorischer Rückschläge erwirtschaftete Hornauer ein Multimillionen-Vermögen, das ihn auch in finanzielle Spielräume brachte, die mit Esoterik nichts mehr zu tun hatten – etwa die Produktion der „Sexy Sport Clips“.

Selbstinszenierung als Prinz und Guru

Nach Jahren in Thailand ließ sich Hornauer 2010 von einem lokalen Stammeshäuptling der Yoruba zum „Prinzen“ ernennen und nannte sich fortan „Prinz Thomas G. Hornauer für the United Holy German Kingdom des Yoruba-Königs der Republik Benin“, kurz „Prinz Spiak“. Die Titulierung bezieht sich auf ein einzelnes Dorfoberhaupt und hat keinerlei diplomatische Bedeutung. Dennoch gründete Hornauer im Dezember 2008 ein „Heiliges Königreich“, das über eine rudimentäre Webpräsenz verfügte, jedoch nach wenigen Tagen offline ging. In Deutschland ließ er 2016 in einer ehemaligen Nudelfabrik in seiner Heimatgemeinde ein „Lichtkristallzentrum“ einrichten, das als Schauort für eine private Edelsteinsammlung dienen sollte. 2019 kandidierte er für das Bürgermeisteramt in Kernen im Rems-Murr-Kreis und erhielt 26 Stimmen.

Auftritt während der Winnenden-Berichterstattung

Am Abend des Amoklaufs von Winnenden am 11. März 2009 drängte sich Hornauer in eine Live-Schalte des ZDF, stand 60 Sekunden sichtbar im Bild und reagierte nicht auf Handzeichen der Kamerafrau, das Bild zu verlassen. Moderator Steffen Seibert sprach von einer „Bildstörung“, Medienmagazine wie DWDL berichteten über den Vorfall. In den folgenden Tagen wiederholte sich das Manöver bei Aufnahmen für n-tv und RTL. Am 12. März rechtfertigte Hornauer sich im Telemedial-Livestream: „Ich wusste nicht genau, was meine Aufgabe sein könnte; was ich da helfen kann [...] Ich hab mich dann dazwischen gedrängt und diesen Jungen rausgeholt. Und so kam ich in eine ganz neue Rolle.“ Er wollte Jugendliche vor „Konsum-, Kapital- und Emotionsjournalismus“ schützen, so sein selbst definierter Auftrag.

Zitate

Alle [meine] Gegner, richtige Gegner, werde ich mit meine Millione richtig finanziell platt mache — YouTube-Video, zitiert in diversen Medienberichten

Weblinks

  1. Stuttgarter Zeitung – Porträt „königliche Majestät“
  2. ZVW – Hornauer und die rechte Szene
  3. Der Standard – Rückkehr der Esoterik-Majestät

Einzelnachweise

  1. Beschluss des Verwaltungsgerichts Stuttgart zum Lizenzentzug für B.TV
  2. DWDL-Bericht über Hornauers Auftritt in Winnenden
  3. Bundesnetzagentur – Widerruf der Rufnummer 11869