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Reiki: Unterschied zwischen den Versionen

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Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge)
Artikel «Reiki» angelegt/aktualisiert
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Reiki ist eine esoterisch inspirierte Handauflegepraxis, die heute weltweit in Wellness-Studios, Gesundheitspraxen und vereinzelt auch in Kliniken angeboten wird. Anhänger gehen davon aus, der Therapeut leite eine universelle „Lebensenergie“ in den Körper des Empfängers und aktiviere so dessen Selbstheilungskräfte. Klinische Studien zeigen jedoch keinen Nutzen über den Placebo-Effekt hinaus. Fachgesellschaften ordnen Reiki entsprechend als Pseudomedizin ein. Hinzu kommen strukturelle Risiken: hohe Ausbildungskosten, hierarchische Machtansprüche und der Einsatz durch sektenartige Gruppierungen als sogenanntes Filterinstrument zur Anwerbung leichtgläubiger Personen.
''Reiki wird als „universelle Lebensenergie“ beworben und soll durch Handauflegen Heilung bewirken. Wo die Methode tatsächlich herkommt, wie sie sich verbreitete und was Studien über ihre Wirkung sagen, fasst der folgende Überblick zusammen.''


== Geschichte und Verbreitung ==
== Die Entstehung und globale Verbreitung von Reiki ==
[[Datei:Faktenradar_4b165cd1_Reiki.jpg|thumb|right|Die Entstehung und globale Verbreitung von Reiki]]


Die heute populäre Reiki-Lehre geht auf Mikao Usui (1865–1926) zurück. 1922 gab der Japaner nach eigenen Angaben öffentliche Kurse in einer neuen Heilmethode, die er auf einer 21-tägigen Fasten- und Meditationsphase auf dem Berg Kurama entwickelt hatte. Usui kombinierte Elemente japanischer Heilgymnastik, buddhistischer Meditation und westlicher Einflüsse. Die Bezeichnung Reiki setzt sich aus den Schriftzeichen rei (universell, geistig) und ki (Lebensenergie) zusammen. Nach Usuis Tod übernahm der ehemalige Marinearzt Chujiro Hayashi dessen Praxis, systematisierte die Lehre in drei Ausbildungsstufen und eröffnete 1925 eine kleine Reiki-Klinik in Tokio.
Reiki geht auf Mikao Usui (1865–1926) zurück, einen japanischen Buddhisten, der um 1922 ein System spiritueller Übungen und Handauflegepraktiken zusammenstellte. Nach seiner Darstellung empfing er dafür während einer Meditationsphase auf dem Berg Kurama eine Art „Eingebung“. Usui selbst bezeichnete sein Konzept als „Usui Reiki Ryōhō“, übersetzt etwa „Usuis Methode der geistigen Heilkraft“. Er unterrichtete bis zu seinem Tod mehrere Schüler, darunter den ehemaligen Marineoffizier Chujiro Hayashi. Dieser eröffnete in Tokio eine Praxis, strukturierte die Handpositionen und führte ein dreistufiges Einführungsritual ein. 1935 reiste die US-amerikanische Staatsbürgerin Hawayo Takata aus Hawaii zu Hayashi, ließ sich ausbilden und brachte Reiki in die Vereinigten Staaten. Takata modifizierte die Lehre weiter: Sie erhöhte die Ausbildungsgebühren erheblich (erste Stufe 175 US-Dollar, Meisterstufe 10.000 US-Dollar) und wies ihre Schüler an, das Preismodell beizubehalten. Zwischen 1970 und 1980 ernannte sie 22 Reiki-Meister, woraus die weltweite Verbreitung resultierte. Nach ihrem Tod 1980 übernahm ihre Enkeltochter Phyllis Furumoto die Führung der „Reiki Alliance“, eines Zusammenschlusses klassisch ausgebildeter Lehrer.


1935 reiste die US-amerikanische Pflanzerwitwe Hawayo Takata wegen einer Gesundheitsbehandlung nach Japan und wurde Hayashis Schülerin. Takata brachte die Technik auf Hawaii und führte ein striktes Gebührenmodell ein: 10.000 US-Dollar für die Meisterweihe – in den 1970er-Jahren einem Kleinwagen vergleichbar. Durch systematisches Multiplizieren von Lehrern gelangte Reiki binnen zwei Jahrzehnten in alle US-Bundesstaaten und nach Europa. 1983 gründete Takatas Enkelin Phyllis Furumoto die „Reiki-Allianz“, um angeblich „reine“ Usui-Lehre zu wahren. Die Organisation konnte die Spaltung in zahlreiche konkurrierende Linien jedoch nicht verhindern. Heute existieren mehrere Dutzend Schulen mit eigenen Symbolen, Einstufungen und Preisstrukturen.
== Grundannahmen und Ablauf einer Behandlung ==
[[Datei:Faktenradar_4b165cd1_Reiki1.jpg|thumb|left|Grundannahmen und Ablauf einer Behandlung]]


[[Datei:Reiki_1.jpg|thumb|right|400px|Reiki]]
Reiki setzt sich aus den japanischen Begriffen „Rei“ (allumfassend, universell) und „Ki“ (Lebensenergie) zusammen. Anhänger gehen davon aus, dass der Mensch über ein feines Energienetzwerk verfügt, das durch Stress, Krankheit oder emotionale Belastungen ins Ungleichgewicht geraten kann. Durch sanftes Auflegen oder Halten der Hände in bestimmten Körperzonen will der Behandler „Reiki-Energie“ weiterleiten, Blockaden lösen und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Typische Sitzungen dauern 45 bis 90 Minuten; der Empfänger bleibt vollständig bekleidet und liegt meist auf einer Massageliege. Neben der Behandlung von Menschen wird Reiki inzwischen auch auf Tiere, Pflanzen, Nahrungsmittel oder Wasser angewendet; die Methode bleibt identisch: Die Hände werden kurz darüber gehalten, wobei der Anwender bestimmte Symbole mental zeichnet oder murmelt. Die Reiki-Lehre unterscheidet drei Ausbildungsstufen: In der ersten erhält der Schüler durch „Einweihungen“ den Zugang zur Energie, in der zweiten lernt er drei Symbole für Fernbehandlungen und emotionale Ausgleichsprozesse, in der dritten Stufe gilt er als Meister und erhält ein viertes Symbol, mit dem er selbst wieder Einführungen vornehmen kann.


== Methode und Lehre ==
== Wissenschaftliche Studien und Wirksamkeitsnachweise ==
[[Datei:Faktenradar_4b165cd1_155px-Reiki2.jpg|thumb|right|Wissenschaftliche Studien und Wirksamkeitsnachweise]]


Reiki-Lehrer postulieren ein feinstoffliches Energiefeld, das Menschen, Tiere und sogar Gegenstände durchdringe. Durch einfache Handauflegepositionen lasse sich diese Energie fließen, Blockaden lösen und das „Energiegleichgewicht“ wiederherstellen. Die Ausbildung gliedert sich in drei Stufen: Die erste Stufe (Shoden) berechtigt zur Behandlung von sich selbst und anderen durch Kontakt. Die zweite Stufe (Okuden) führt drei Symbole ein: das „Kraft-Symbol“ Cho Ku Rei, das „Mental-Symbol“ Sei He Ki und das „Fernheilungs-Symbol“ Hon Sha Ze Sho Nen. Mit ihrer Hilfe soll Reiki zeit- und ortsunabhängig übertragen werden können. Die dritte Stufe (Shinpiden) verleiht den Titel Meister/Lehrer und umfasst ein viertes Symbol, Dai Ko Myo, das als universelles Wissenssymbol gilt.
In der medizinischen Fachwelt gilt Reiki als nicht erwiesen. Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 100 Fibromyalgie-Patienten zeigte 2010 keinen signifikanten Unterschied zwischen echter Reiki-Behandlung und einer Scheinbehandlung durch einen geschulten Schauspieler. Auch eine systematische Auswertung aller bis 2008 verfügbaren klinischen Prüfungen kam zu dem Schluss, dass für eine spezifische Wirksamkeit keine ausreichende Evidenz vorliegt. Problematisch ist laut Forschern die Konstruktion eines glaubwürdigen Placebo-Verfahrens: Während echte Reiki-Behandler behaupten, universelle Energie zu kanalisieren, müsste ein Kontrollgruppen-Anbieter genau dieselben Rituale vollziehen, ohne an die Wirkung zu glauben – eine Differenz, die Versuchsteilnehmer schwer verbergen können. Messungen mit Wärmebildkameras oder Elektroden konnten bisher keine objektivierbare Energieübertragung nachweisen. Kritiker führen beobachtete subjektive Besserungen vor allem auf Beruhigung, Aufmerksamkeit und Suggestion zurück.


Reiki-Anwender behandeln üblicherweise in einer ruhigen Umgebung. Der Empfänger liegt voll bekleidet auf einer Liege; der Therapeut legt die Hände auf zwölf standardisierte Körperregionen oder hält sie wenige Zentimeter über die Haut. Eine typische Sitzung dauert 45 bis 90 Minuten. Es erfolgt keine Diagnose im ärztlichen Sinn; vielmehr folgt der Praktizierende einer intuitiven „Energielese-Technik“. Reiki wird nicht nur bei Schmerzen, Stress oder Krebserkrankungen angeboten, sondern auch zur „Energetisierung“ von Lebensmitteln, Wohnräumen und sogar Börsengeschäften propagiert.
== Risiken, Kosten und organisatorische Strukturen ==
Körperliche Schäden durch Reiki sind aufgrund des nicht-invasiven Vorgehens selten dokumentiert. Problematisch wird es nach Einschätzung von Verbraucherschützern, wenn Patienten auf eine schulmedizinische Therapie verzichten oder wenn hohe Ausbildungsgebühren erwartet werden. Die Preise schwanken stark: Während einige Anbieter Einweihungen per E-Mail kostenlos zusenden, verlangen traditionsverbundene Lehrer noch heute mehrere Tausend Euro für die Meisterstufe. Die 1983 gegründete „Reiki Alliance“ erkannte lange nur Lehrer an, die 10.000 US-Dollar entrichtet hatten; inzwischen existieren zahlreiche konkurrierende Verbände mit unterschiedlichen ethischen Richtlinien. Einzelne Sektenberatungsstellen warnen, dass Reiki als Einstieg in psychologisch manipulative Gruppen dienen könne, wenn Heilversprechen mit teuren Aufbaukursen gekoppelt werden. Verbreitung findet Reiki heute überwiegend in Wellness-Centers, alternativmedizinischen Praxen und Online-Kursen; eine staatliche Anerkennung als Heilmethode besteht in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht.


Praktizierende berichten, während einer Sitzung ein warmes oder kribbelndes Gefühl in den Händen zu spüren, das als „Energiefluss“ interpretiert wird. Einige Schulen lehren zusätzliche Techniken wie das Zeichnen von Symbolen in die Luft, das Einatmen von „heiliger Energie“ oder das Einschalten von Geistführern. Die Lehre betont, Reiki sei keine Religion und könne daher von Menschen aller Glaubensrichtungen praktiziert werden. Gleichzeitig wird behauptet, die Methode sei „universell“ und „zeitlos“, was die Überprüfung historischer Wurzeln erschwert. In Online-Foren tauschen Anwender Erfahrungen darüber aus, wie sich Reiki auf Haustiere, Pflanzen oder sogar technische Geräte anwenden lasse etwa um Laptop-Akku-Laufzeit zu verlängern oder WLAN-Störungen zu beseitigen.
== Weblinks ==
# [http://www.ekd.de/ezw/dateien/EZW_KI_Reiki_5_2009.pdf Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: Kompakt-Infos Reiki (Mai 2009)]
# [http://www.agpf.de/Reiki.htm AGPF Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung: Reiki – Das Patentrezept des Japaners Mikao Usui]
# [http://www.sueddeutsche.de/wissen/teil-geist-und-wunderheilungreiki-heilsame-haende-1.768375 Süddeutsche Zeitung: Geist- und Wunderheilung – Heilsame Hände (28.08.2007)]


[[Datei:Reiki_2.jpg|thumb|left|400px|Reiki]]
== Veröffentlichungen ==
* [http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x/abstract Lee MS, Pittler MH, Ernst E. Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. Int J Clin Pract 2008, 62, 6: 947-954]


== Wissenschaftliche Beurteilung ==
[[Kategorie:Faktenradar]]
 
Physikalische Messverfahren haben bislang keine nachweisbare Energieform erbracht, die den Reiki-Postulaten entspräche. Thermografische Aufnahmen zeigen allenfalls minimale lokale Temperaturerhöhungen, die sich durch die Wärme der Hände erklären. Randomisiert-kontrollierte Studien, in denen Reiki mit simulierter Behandlung durch Schauspieler verglichen wurde, fanden keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich Schmerzlinderung oder psychischer Befindlichkeit. Die methodisch robuste Fibromyalgie-Studie von Assefi et al. (2008) ergab, dass Probanden, die glaubten Reiki zu erhalten, gleichermaßen Verbesserungen berichteten – unabhängig davon, ob tatsächlich ein Reiki-Praktizierender oder ein Placebo-Darsteller die Hände auflegte. Eine systematische Übersichtsarbeit von Lee et al. (2008) kam zu dem Schluss, dass die vorhandenen Daten keine klinisch relevante Wirkung belegen und durch geringe Stichprobengrößen sowie fehlende Verblindung aufgeklärt seien.
 
Forschungsergebnisse lassen sich vielmehr durch unspezifische Effekte erklären: Ruhe, Aufmerksamkeit, Berührung und positive Erwartung. Diese Faktoren aktivieren physiologische Beruhigungsmechanismen und können Schmerzempfindungen modulieren. Die medizinische Fachwelt ordnet Reiki deshalb der Kategorie „Placebo-Plus“ zu – einer Intervention, deren subjektiver Nutzen durch das Setting entsteht, nicht durch eine spezifische Energieübertragung. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und das Bundesinstitut für Arzneimittel warnen vor einer Verzögerung evidenzbasierter Therapien, wenn Patienten ausschließlich auf Energiebehandlungen vertrauen.
 
Ein weiterer Forschungsansatz untersuchte, ob Reiki die Wundheilung nach operativen Eingriffen beschleunigt. Eine kleine Studie an 120 Brustkrebspatientinnen zeigte zwar geringfügig weniger Schmerzmittelverbrauch in der Reiki-Gruppe, fiel jedoch bei genauerer Betrachtung auf, dass die Unterschiede innerhalb der statistischen Fehlergrenze lagen. Interessanterweise berichteten auch die Probanden in der Kontrollgruppe, die lediglich ruhige Musik hörten, über verbesserte Stimmung und weniger Angst. Dies verstärkt die These, dass kontemplative Ruhephasen – unabhängig von esoterischen Erklärungsmodellen – das subjektive Wohlbefinden steigern können.
 
[[Datei:Reiki_3.jpg|thumb|right|400px|Reiki]]
 
== Kritik und Risiken ==
 
Neben dem wissenschaftlichen Mangel an Wirksamkeit zeigen sich strukturelle Probleme auf organisatorischer Ebene. Mehrere religions-soziologische Studien belegen, dass Reiki in alternativ-esoterischen Netzwerken als „Einstiegsangebot“ fungiert. Durch niedrigschwellige Kurse lassen sich Interessierte identifizieren, die sich für ganzheitliche Heilkonzepte öffnen. In einem zweiten Schritt werden dieselben Personen für teure Fortbildungen, spirituelle Meisterklassen oder ausgeklügelte Abo-Systeme gewonnen. Sektenaufklärer kritisieren, dass hierarchische Meister-Strukturen psychologische Abhängigkeit erzeugen: Der Schüler erhalge erst dann „volle Energie“, wenn er sich loyal zeige und weitere Kurse buche.
 
Die historisch geforderten Meistergebühren von bis zu 10.000 US-Dollar sind heute nicht mehr flächendeckend üblich, dennoch kosten Reiki-Ausbildungen häufig mehrere hundert bis tausend Euro pro Stufe. Online-Anbieter konkurrieren mit kostenlosen „Fern-Weihen“, was zu einem Preisverfall und zur Zersplitterung in konkurrierende Lager führt. Qualitätsstandards existieren nicht; jeder kann sich Reiki-Meister nennen. Hinzu kommt die Gefahr der Selbstüberhebung: Praktizierende diagnostizieren nach eigenem Ermessen „Energieblockaden“ und raten zur Absetzung ärztlicher Medikamente. Solche Empfehlungen gefährden insbesondere chronisch Kranke und Kinder, für die ein wirksamer Behandlungsaufschub gravierende Folgen haben kann.
 
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die mangelnde Transparenz bei der Ausbildung. Da es keine zentrale Prüfungsinstanz gibt, variieren Kursinhalte stark: Manche Lehrer verlangen monatelange Selbstbehandlungstage, andere vergeben Zertifikate nach einem Wochenendseminar. In sozialen Medien berichten ehemalige Schüler von Gruppenzwang, esoterischen Reinigungsritualen und Angstmacherei: Wer die Lehrgänge abbreche, „verstopfe“ seine Energiekanäle und riskiere seelische Schäden. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten locken Anbieter mit schnellen Heilpraktiker-Einkommen, ohne auf juristische Fallstricke hinzuweisen: Wer ohne Heilpraktiker-Erlaubnis ernsthafte Erkrankungen behandelt, macht sich strafbar.
 
== Stellungnahmen und rechtliche Einordnung ==
 
Deutsche Strahlenschutzbehörden betonen, dass Reiki keine nachweisbare Strahlung oder Energieform emittiere, die sich mit physikalischen Messgeräten erfasse. Die Schweizer Akademie der Wissenschaften listet Reiki unter „spirituelle Heilweisen“ mit mangels Wirksamkeitsnachweis. Die American Cancer Society rät Krebspatienten, Reiki ausschließlich als begleitende Entspannungsmethode zu nutzen, jedoch keine Heilversprechen zu übernehmen. In Deutschland darf Reiki unter dem Heilpraktikergesetz angeboten werden, sofern keine ärztlichen Tätigkeiten übernommen oder schwerwiegende Heilversprechen abgegeben werden. Die Bezeichnung „Therapie“ ist rechtlich unzulässig, weil sie eine gesicherte Wirksamkeit voraussetzt. Verstöße werden von Gesundheitsämtern und Verbraucherschutzverbänden verfolgt.
 
Die Rechtsprechung ist eindeutig: In einem 2019 verhandelten Fall verurteilte das Amtsgericht München einen Reiki-Meister zu einer Geldstrafe, weil er bei einer Multiplen-Sklerose-Patientin die Absetzung von Immunsuppressiva empfohlen hatte. Das Gericht stellte fest, dass eine schwerwiegende Erkrankung vorgetäuscht behandelt wurde. Patienten, die ausschließlich auf Reiki vertrauten, erlitten in dokumentierten Einzelfällen irreversible Gesundheitsschäden. Verbraucherzentralen raten deshalb, bei ernsthaften Beschwerden stets einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen und Reiki – falls gewünscht – lediglich als ergänzende Entspannungsmaßnahme zu nutzen.

Version vom 10. Mai 2026, 19:15 Uhr

Reiki wird als „universelle Lebensenergie“ beworben und soll durch Handauflegen Heilung bewirken. Wo die Methode tatsächlich herkommt, wie sie sich verbreitete und was Studien über ihre Wirkung sagen, fasst der folgende Überblick zusammen.

Die Entstehung und globale Verbreitung von Reiki

Die Entstehung und globale Verbreitung von Reiki

Reiki geht auf Mikao Usui (1865–1926) zurück, einen japanischen Buddhisten, der um 1922 ein System spiritueller Übungen und Handauflegepraktiken zusammenstellte. Nach seiner Darstellung empfing er dafür während einer Meditationsphase auf dem Berg Kurama eine Art „Eingebung“. Usui selbst bezeichnete sein Konzept als „Usui Reiki Ryōhō“, übersetzt etwa „Usuis Methode der geistigen Heilkraft“. Er unterrichtete bis zu seinem Tod mehrere Schüler, darunter den ehemaligen Marineoffizier Chujiro Hayashi. Dieser eröffnete in Tokio eine Praxis, strukturierte die Handpositionen und führte ein dreistufiges Einführungsritual ein. 1935 reiste die US-amerikanische Staatsbürgerin Hawayo Takata aus Hawaii zu Hayashi, ließ sich ausbilden und brachte Reiki in die Vereinigten Staaten. Takata modifizierte die Lehre weiter: Sie erhöhte die Ausbildungsgebühren erheblich (erste Stufe 175 US-Dollar, Meisterstufe 10.000 US-Dollar) und wies ihre Schüler an, das Preismodell beizubehalten. Zwischen 1970 und 1980 ernannte sie 22 Reiki-Meister, woraus die weltweite Verbreitung resultierte. Nach ihrem Tod 1980 übernahm ihre Enkeltochter Phyllis Furumoto die Führung der „Reiki Alliance“, eines Zusammenschlusses klassisch ausgebildeter Lehrer.

Grundannahmen und Ablauf einer Behandlung

Grundannahmen und Ablauf einer Behandlung

Reiki setzt sich aus den japanischen Begriffen „Rei“ (allumfassend, universell) und „Ki“ (Lebensenergie) zusammen. Anhänger gehen davon aus, dass der Mensch über ein feines Energienetzwerk verfügt, das durch Stress, Krankheit oder emotionale Belastungen ins Ungleichgewicht geraten kann. Durch sanftes Auflegen oder Halten der Hände in bestimmten Körperzonen will der Behandler „Reiki-Energie“ weiterleiten, Blockaden lösen und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Typische Sitzungen dauern 45 bis 90 Minuten; der Empfänger bleibt vollständig bekleidet und liegt meist auf einer Massageliege. Neben der Behandlung von Menschen wird Reiki inzwischen auch auf Tiere, Pflanzen, Nahrungsmittel oder Wasser angewendet; die Methode bleibt identisch: Die Hände werden kurz darüber gehalten, wobei der Anwender bestimmte Symbole mental zeichnet oder murmelt. Die Reiki-Lehre unterscheidet drei Ausbildungsstufen: In der ersten erhält der Schüler durch „Einweihungen“ den Zugang zur Energie, in der zweiten lernt er drei Symbole für Fernbehandlungen und emotionale Ausgleichsprozesse, in der dritten Stufe gilt er als Meister und erhält ein viertes Symbol, mit dem er selbst wieder Einführungen vornehmen kann.

Wissenschaftliche Studien und Wirksamkeitsnachweise

Wissenschaftliche Studien und Wirksamkeitsnachweise

In der medizinischen Fachwelt gilt Reiki als nicht erwiesen. Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 100 Fibromyalgie-Patienten zeigte 2010 keinen signifikanten Unterschied zwischen echter Reiki-Behandlung und einer Scheinbehandlung durch einen geschulten Schauspieler. Auch eine systematische Auswertung aller bis 2008 verfügbaren klinischen Prüfungen kam zu dem Schluss, dass für eine spezifische Wirksamkeit keine ausreichende Evidenz vorliegt. Problematisch ist laut Forschern die Konstruktion eines glaubwürdigen Placebo-Verfahrens: Während echte Reiki-Behandler behaupten, universelle Energie zu kanalisieren, müsste ein Kontrollgruppen-Anbieter genau dieselben Rituale vollziehen, ohne an die Wirkung zu glauben – eine Differenz, die Versuchsteilnehmer schwer verbergen können. Messungen mit Wärmebildkameras oder Elektroden konnten bisher keine objektivierbare Energieübertragung nachweisen. Kritiker führen beobachtete subjektive Besserungen vor allem auf Beruhigung, Aufmerksamkeit und Suggestion zurück.

Risiken, Kosten und organisatorische Strukturen

Körperliche Schäden durch Reiki sind aufgrund des nicht-invasiven Vorgehens selten dokumentiert. Problematisch wird es nach Einschätzung von Verbraucherschützern, wenn Patienten auf eine schulmedizinische Therapie verzichten oder wenn hohe Ausbildungsgebühren erwartet werden. Die Preise schwanken stark: Während einige Anbieter Einweihungen per E-Mail kostenlos zusenden, verlangen traditionsverbundene Lehrer noch heute mehrere Tausend Euro für die Meisterstufe. Die 1983 gegründete „Reiki Alliance“ erkannte lange nur Lehrer an, die 10.000 US-Dollar entrichtet hatten; inzwischen existieren zahlreiche konkurrierende Verbände mit unterschiedlichen ethischen Richtlinien. Einzelne Sektenberatungsstellen warnen, dass Reiki als Einstieg in psychologisch manipulative Gruppen dienen könne, wenn Heilversprechen mit teuren Aufbaukursen gekoppelt werden. Verbreitung findet Reiki heute überwiegend in Wellness-Centers, alternativmedizinischen Praxen und Online-Kursen; eine staatliche Anerkennung als Heilmethode besteht in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht.

Weblinks

  1. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: Kompakt-Infos Reiki (Mai 2009)
  2. AGPF Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung: Reiki – Das Patentrezept des Japaners Mikao Usui
  3. Süddeutsche Zeitung: Geist- und Wunderheilung – Heilsame Hände (28.08.2007)

Veröffentlichungen