Arthur Tränkle: Unterschied zwischen den Versionen
Admin (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Admin (Diskussion | Beiträge) |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
== Zur Person == | == Zur Person == | ||
Arthur Tränkle | Arthur Tränkle ist ein deutscher Geschäftsmann, der sich selbst als „Forscher, Entwickler und Buchautor" bezeichnet.[1] Er ist die zentrale Figur eines verschachtelten Firmenkonglomerats rund um die schweizerische **Wassermatrix AG** (Rotkreuz), die **Die Plusmacher GmbH & Co. KG** (Stuttgart) und den Schweizer Pseudo-Gesundheitssender **QS24 (QuantiSana.TV)**. Bekanntheit erlangte er vor allem als Vermarkter eines unter wechselnden Namen vertriebenen Hochfrequenzgerätes, das aktuell als „Tesla-Oszillator" (auch „Celltuner", „Wasserstrukturierer", „Lakhovsky-Generator") angeboten wird und mit weitreichenden Heilsversprechen beworben wird. Sowohl die deutsche **Bundesnetzagentur** als auch das schweizerische **BAKOM** haben Vorgänger- bzw. aktuelle Modelle als nichtkonform bzw. verbotsfähig eingestuft.[2][3] | ||
Trotz behördlicher Beanstandungen, einer abgeschlossenen formellen Feststellung von Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz durch das **Regierungspräsidium Stuttgart**[4] und einer wachsenden Zahl zivilrechtlicher Verfahren tritt Tränkle weiterhin in Eigenproduktionen, auf YouTube und auf Großveranstaltungen wie dem „Free Mind Medicine Kongress" als vermeintlicher Pionier einer „neuen Heiltechnologie" auf. | Trotz behördlicher Beanstandungen, einer abgeschlossenen formellen Feststellung von Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz durch das **Regierungspräsidium Stuttgart**[4] und einer wachsenden Zahl zivilrechtlicher Verfahren tritt Tränkle weiterhin in Eigenproduktionen, auf YouTube und auf Großveranstaltungen wie dem „Free Mind Medicine Kongress" als vermeintlicher Pionier einer „neuen Heiltechnologie" auf. | ||
Version vom 11. Mai 2026, 02:45 Uhr
Zur Person
Arthur Tränkle ist ein deutscher Geschäftsmann, der sich selbst als „Forscher, Entwickler und Buchautor" bezeichnet.[1] Er ist die zentrale Figur eines verschachtelten Firmenkonglomerats rund um die schweizerische **Wassermatrix AG** (Rotkreuz), die **Die Plusmacher GmbH & Co. KG** (Stuttgart) und den Schweizer Pseudo-Gesundheitssender **QS24 (QuantiSana.TV)**. Bekanntheit erlangte er vor allem als Vermarkter eines unter wechselnden Namen vertriebenen Hochfrequenzgerätes, das aktuell als „Tesla-Oszillator" (auch „Celltuner", „Wasserstrukturierer", „Lakhovsky-Generator") angeboten wird und mit weitreichenden Heilsversprechen beworben wird. Sowohl die deutsche **Bundesnetzagentur** als auch das schweizerische **BAKOM** haben Vorgänger- bzw. aktuelle Modelle als nichtkonform bzw. verbotsfähig eingestuft.[2][3]
Trotz behördlicher Beanstandungen, einer abgeschlossenen formellen Feststellung von Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz durch das **Regierungspräsidium Stuttgart**[4] und einer wachsenden Zahl zivilrechtlicher Verfahren tritt Tränkle weiterhin in Eigenproduktionen, auf YouTube und auf Großveranstaltungen wie dem „Free Mind Medicine Kongress" als vermeintlicher Pionier einer „neuen Heiltechnologie" auf.
Hinweis: Sämtliche im Folgenden referierten strafrechtlichen Verdachtsmomente sind Verdachtsäußerungen Dritter auf Basis öffentlich verfügbarer Dokumente. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Selbstdarstellung
Tränkle inszeniert sich öffentlich als unabhängiger „Tesla-Forscher", „Hochfrequenz-Experte" und Buchautor. Zu den unter seinem Namen vermarkteten Büchern zählen unter anderem *Einführung in die Hochfrequenztechnologie*, *Neue Möglichkeiten im Spitzensport* und *Künstliches Fieber der Wärmetherapie*.[5] In zahlreichen Marketingvideos präsentiert er sich, eingebettet in eine sorgfältig kuratierte Bildsprache aus Laboratmosphäre, historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen Nikola Teslas und pseudowissenschaftlich anmutender Fachterminologie, als Bewahrer und „Verfügbarmacher geheimer Technologien".[6]
Während er sich öffentlich auf Tesla, **Georges Lakhovsky** und den US-Wasserforscher **Gerald Pollack** beruft, hält er bei der **Wassermatrix AG** formal keinerlei offizielle Funktion inne — vertrat das Unternehmen jedoch über Jahre persönlich vor deutschen Gerichten.[1][7]
Firmengeflecht
Tränkle steuert nach übereinstimmender Einschätzung mehrerer Quellen ein internationales Geflecht teils funktionsloser Briefkastenkonstruktionen, dessen tatsächliche Geschäftsleitung durchgängig in **Stuttgart** angesiedelt ist.[7][8] Zum aktiven Verbund gehören unter anderem:
- **Die Plusmacher GmbH & Co. KG** (Stuttgart) – tatsächliches Hauptvertriebsvehikel - **Arthur Tränkle Handelsvertretung** (Stuttgart/Simmozheim) - **Wassermatrix AG** (Rotkreuz, CH) – formale Herstellergesellschaft; nach Innendarstellung lediglich mit einer Teilzeitbürokraft besetzt[9] - **AT Technologies EWIV** (Bulgarien) – Scheingeschäftsführer: Ralf Illg (Tränkles Schwager) - **SwissianInnova AG** (CH) – Schweizer Holdingstruktur - **QuantiSana.TV Fernseh-, Produktions- und Betriebs AG / QS24** (Weinfelden, CH) - **WikiSana GmbH**, **H3O2 Matrix AG** (CH) - **Spektral Plus EOOD**, **LEO2C EOOD** (Bulgarien) - **QiLogix Trading Ltd.** (Kyrenia, Türkische Republik Nordzypern)
Mehrere zwischenzeitlich aufgelöste oder in Liquidation befindliche Gesellschaften (u. a. *Unicatia GmbH*, *Steho Energy AG*, *Energiemacher GmbH i.L.*, *Mentoria GmbH i.L.*, *Die Cleverlinge e.V.*) deuten auf eine Praxis serieller Firmenkonstruktionen hin.[7]
Schlüsselpersonen
Im operativen Stuttgarter Büro arbeiten überwiegend Familienangehörige Tränkles: Schwester **Inga Illg** (geb. Tränkle) leitet Finanzen und Personal, deren Ehemann **Ralf Illg** das Lager. Engster Vertrauter ist der ukrainisch-stämmige **Eugen Jansen**, der sich als Diplomingenieur bezeichnet, formal nicht an den Gesellschaften beteiligt ist, aber einen auffällig wohlhabenden Lebensstil führt und nach interner Einschätzung als „aktiver Mittäter" einzustufen sein soll.[10] Verwaltungsrat der Wassermatrix AG ist der Schweizer **Marcel Reichlin**, dem in einer gerichtlich relevanten eidesstattlichen Versicherung vom 2. Februar 2024 die unzutreffende Behauptung einer CE-Konformität des Tesla-Oszillators vorgeworfen wird.[6]
Eigener Fernsehsender QS24
Tränkle ist nach amtlicher BAKOM-Meldung mit 14,66 % am Kapital des Schweizer Privatfernsehsenders **QS24** beteiligt; Mehrheitsaktionär ist **Alexander Glogg** (59,6 % Stimmrechte).[11] Auf QS24 trat Tränkle regelmäßig als scheinbar unabhängiger „Experte" in redaktionell anmutenden Sendungen auf, ohne die wirtschaftliche Verflechtung offenzulegen. Die Beiträge mündeten konsistent in Verweise auf seine kommerziellen Webseiten (*celltuner.info*, *wassermatrix.ch*, *quantisana-shop.ch*). Diese Konstellation – Aktionär und Beworbener im selben Sender – wird von Juristen als „Paradefall systemischer Schleichwerbung" eingeordnet.[8]
Tränkle ist im Jahr 2025 aus dem Verwaltungsrat der QS24-Trägergesellschaft ausgeschieden, Aktionär ist er weiterhin.[9]
Das Produkt: „Tesla-Oszillator"
Das zentrale Vertriebsprodukt firmierte bereits unter mindestens vier Namen:
- **Wasserstrukturierer** (144 MHz) – im **März 2021 von der Bundesnetzagentur aus dem Verkehr gezogen**[12] - **Tesla-Oszillator** (150 MHz) – aktuelles Nachfolgemodell - alternativ: **Wasservitalisierer**, **Lakhovsky-Generator**, **Celltuner**
Nach dem Verbot des 144-MHz-Geräts brachte Tränkle das Nachfolgegerät auf 150 MHz heraus, ohne die regulatorischen Defizite tatsächlich zu beheben.[6]
Technische Realität
Der Endkundenpreis liegt bei ca. **7.893 Euro**. Die Materialkosten der Bauteile belaufen sich laut technischer Analyse auf **unter 100 Euro**.[7] Nach eidesstattlicher Aussage des Verwaltungsrats Reichlin wurden jährlich mindestens 500 Apparate verkauft, was zwischen 2019 und 2024 zu einem rechnerischen Umsatz von rund 20 Millionen Euro führte – ohne dass die Wassermatrix AG nach den verfügbaren Quellen jemals in eine ordnungsgemäße Medizinprodukte-Zertifizierung investiert hätte.[6]
Der versteckte Hochleistungsmodus
Im Zentrum der Vorwürfe steht ein konstruktiver „Doppelboden": Das Gerät verfügt über zwei Leistungsstufen.[3][13]
- **Schaufenster-Modus für Behörden:** 10 mW (gemäß Ausnahmegenehmigung der Bundesnetzagentur für 150 MHz zulässig) - **Realbetrieb beim Endkunden:** 7 bis 10 Watt – das ist die **700- bis 1.000-fache** Leistung gegenüber dem zulässigen Wert
Die Umschaltung erfolgte zunächst über einen physischen Kippschalter an der Geräterückseite, später wurde sie in die Software verlagert. Bei EMV-Prüfungen (etwa durch das Labor *Schwille*) wurde das Gerät ausschließlich im niedrigen 10-mW-Modus geprüft, da das Prüflabor laut Auskunft des leitenden Prüfingenieurs „nur prüft, was der Kunde beauftragt".[6] Die Aktivierungsanweisung für den Hochleistungsmodus wurde laut interner Dokumentation **mündlich** an Vertriebspartner und Endkunden weitergegeben, in den Bedienungsanleitungen aber sukzessive gelöscht – ein Vorgehen, das nach Einschätzung des Whistleblowers Robert Muntendorf einer schrittweisen „Verschleierung" gleichkommt.[6]
Der spürbare Wärmeeffekt im Hochleistungsmodus entsteht laut technischer Analyse nicht durch eine wie auch immer geartete „Zellresonanz", sondern durch banale Erwärmung biologischen Gewebes und gesteigerte Durchblutung – ein Effekt, den jedes Heizkissen ähnlich zuverlässig liefert.[6]
BAKOM-Befund
Der **EMC Test Report des BAKOM** vom **29. Oktober 2024** (Prüfnummer TREMC_1000507194_A_V1) stellte das Gerät formell als **„Non-compliant / Nichtkonform"** fest.[3] Mit Schreiben vom 3. Februar 2025 (Az. 01-2024-00397) kündigte das BAKOM gegenüber einer Importeurin das Verbot des Inverkehrbringens sowie die Einziehung und Vernichtung der Geräte an. Bemerkenswert: Das Gerät wurde gegenüber dem BAKOM unter der nichtssagenden Bezeichnung „Tesla-Experimentier-Set zur Wasserbelebung" angemeldet – ein Etikett, das gewerbliche und medizinische Zweckbestimmung gleichermaßen verschleiert.
Heilsversprechen
In Werbevideos, auf QS24 und auf eigenen Veranstaltungen wurde dem Apparat das gesamte Spektrum esoterischer Heilrhetorik zugeschrieben: Behandlung „chronischer Leiden", „Steigerung der Vitalität", „Zellregeneration", verschiedentlich auch suggerierte Wirkungen bei Krebs und anderen schweren Erkrankungen.[5][6] Pharmakologisch, biophysikalisch oder durch klinische Studien belegt ist davon nichts. Das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Heilmittelwerbe-Aufsicht stellte mit Schreiben vom **20. September 2024** Verstöße gegen das Heilmittelwerbegesetz formell fest und wies Tränkle schriftlich darauf hin.[4][9]
Weitere Produkte
Im Sortiment finden sich diverse Ableger und Zubehörartikel: **Tesla2Go**, **Tesla Balance**, **Tesla Resonator**, eine „Frequenzbibliothek" sowie der von Tränkle veranstaltete **„Free Mind Medicine Kongress"**, eine Großveranstaltung der einschlägigen Szene mit beworbenen Auftritten u. a. von **Corina Klein** und **Lothar Hirneise**.[5]
Behördliche Maßnahmen
| Behörde | Maßnahme | Stand | |---|---|---| | Bundesnetzagentur (DE) | Betriebsverbot Wasserstrukturierer (144 MHz) | März 2021[12] | | Bundesnetzagentur (DE) | Einleitung Prüfverfahren Tesla-Oszillator (150 MHz) | ab März 2024[2] | | Bundesnetzagentur (DE) | Allgemeinverfügung 150 MHz | in Vorbereitung / ergangen[2] | | BAKOM (CH) | EMC Test Report: **NICHTKONFORM** | 29.10.2024[3] | | BAKOM (CH) | Verbots- und Einziehungsankündigung gegenüber Importeurin | 03.02.2025[14] | | Regierungspräsidium Stuttgart | Formelle Feststellung HWG-Verstoß | 20.09.2024[4] |
Kritik
Die zentrale Kritik an Tränkle entstammt nicht erst behördlicher Ermittlungen, sondern dem Pamphlet **„Aufstieg und Fall des Arthur Tränkle. Eine wahre Geschichte über falsche Heilsversprechen"** des deutschen Befeldungstherapie-Anbieters **Robert Muntendorf** (Mölln), der seit 2012 die echten, als Medizinprodukt der Klasse IIa zugelassenen MF150-Geräte nach **Dieter Broers** vertreibt.[6] Muntendorf wirft Tränkle in 17 nummerierten Abschnitten in der Sache vor:
- die systematische Vortäuschung einer CE-Konformität, - die bewusste Konstruktion eines „Doppelgesichts" des Geräts (legaler Prüfmodus / illegaler Anwendungsmodus), - die Inszenierung einer eigentlich banalen, durchblutungsfördernden Erwärmung als angebliche „150-MHz-Therapie", - die Diffamierung von Kritikern wie Broers und **Peter Feucht** (FM Elektronik, Berlin), - sowie die Ausnutzung schwer erkrankter Menschen zu Marketingzwecken.[6]
Bemerkenswert bleibt, dass diese Aktivitäten trotz einer mehrjährigen, öffentlich völlig unverhohlenen Vermarktung mit „teils vollkommen abstrusen Heilaussagen" auf YouTube, im eigenen Fernsehsender und auf Großveranstaltungen bislang behördlich nicht durchgreifend verfolgt wurden.
Umfeld
Im Dunstkreis Tränkles bewegen sich diverse Akteure der deutschsprachigen Esoterik- und „Alternativmedizin"-Szene, darunter:
- **Corina Klein** – Kanal-Betreiberin, deren Inhalte mutmaßlich durch Tränkles Strukturen produziert werden - **Lothar Hirneise** – Krebs-Alternativszene - **Peer Zerbergs** – „Cell-Energy-Center Mallorca", trat in Werbevideos mit Tränkle auf - **Alexander Glogg** – Mehrheitsaktionär und Geschäftsleiter QS24 - **Michael Ballweg** – auf der Liste „Nebenpersonen" der Fallübersicht geführt
Reichweitenstarke Kanäle, auf denen Tränkle bzw. sein Umfeld auftritt, umfassen u. a. **QS24**, **AUF1**, **Stein-Zeit** sowie eigene YouTube-Kanäle der Wassermatrix.[5]
Bücher (Auswahl)
- *Einführung in die Hochfrequenztechnologie* - *Neue Möglichkeiten im Spitzensport* - *Künstliches Fieber der Wärmetherapie*
Eine wissenschaftliche Rezeption dieser Werke in begutachteten Fachzeitschriften ist nicht ersichtlich.
Siehe auch
- Pseudomedizinische Frequenztherapie - Lakhovsky-Generator - Medizinprodukte-Verordnung - Heilmittelwerbegesetz - Schleichwerbung
Quellennachweise
[1] Muntendorf, Robert: *Aufstieg und Fall des Arthur Tränkle*, Abschnitt 2 (Vorgeschichte), S. 3
[2] Bundesnetzagentur, Schreiben/Allgemeinverfügung zu 150 MHz; Einleitung Prüfverfahren ab März 2024
[3] Regierungspräsidium Stuttgart, 20.09.2024. Formelle Feststellung HWG-Verstoß
[4] BAKOM, Programmmeldung QS24 vom 29.08.2025, BAKOM-314.2-1000251
[5] Bundesnetzagentur, Betriebsverbot Wasserstrukturierer (144 MHz), März 2021