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	<title>Spagyrik - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-05-11T09:16:56Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Faktenradar</subtitle>
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		<id>https://faktenradar.net/index.php?title=Spagyrik&amp;diff=1573&amp;oldid=prev</id>
		<title>Faktenradar Redakteur: Artikel «Spagyrik» angelegt/aktualisiert</title>
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		<updated>2026-05-10T23:52:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Artikel «Spagyrik» angelegt/aktualisiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;Spagyrik bezeichnet ein Sammelspektrum alchemistisch inspirierter Heilverfahren, die sich durch aufwendige Trenn- und Vereinigungsprozesse auszeichnen. Die Präparate gelten als nicht wirksam nach wissenschaftlichem Standard, besitzen jedoch im deutschen Arzneirecht eine Ausnahmestellung.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriff und Grundprinzipien ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_b4708e3f_300px-Spagyrik2.jpg|thumb|right|Begriff und Grundprinzipien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Spagyrik“ setzt sich aus dem Griechischen zusammen: spaein für „trennen“ und ageirein für „vereinigen“. Bereits Paracelsus (1493–1541) verwendete den Begriff, um seine auf chemischen Operationen beruhende Arzneimittelherstellung von der damals vorherrschenden galenischen Medizin abzugrenzen. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung, durch Aufschließen, Reinigen und anschließendes Wiedervereinigen der Ausgangsmaterialien eine höhere „Lebenskraft“ zu aktivieren. Typische Prozesse sind Mazeration, Gärung, Destillation, Veraschung (Kalzinierung) sowie abschließende Konjugation. Besondere Varianten der Destillation sind die mehrfache Kohobation und die unter Rückfluss laufende Zirkulation, bei der die Dämpfe ständig der Flüssigkeit wieder zugeführt werden. Ausgangsmaterialien sind Pflanzen, Mineralien und tierische Substanzen; die einzelnen Arbeitsschritte sollen idealerweise nach astrologischen Gesichtspunkten zeitlich abgestimmt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historische Entwicklung von der Frühen Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_b4708e3f_Paracelsus.jpg|thumb|left|Historische Entwicklung von der Frühen Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Paracelsus’ Tod verloren spagyrische Rezepturen an Bedeutung; sie galten als aufwendig und wissenschaftlich nicht mehr zeitgemäß. Eine Wiederbelebung gelang dem schlesischen Eisenbahningenieur Carl Friedrich Zimpel (1801–1879). Ohne ärztliche Ausbildung, aber mit einer 1848 erworbenen Promotionsurkunde, verband er Elemente der Humoralpathologie mit langen Destillationsketten. Zimpel hielt an der Vorstellung fest, durch wiederholte Destillation die „feinstoffliche Wirksamkeit“ konzentrieren zu können. Zeitgenössisch war seine Praxis durch die in Deutschland bestehende Kurierfreiheit möglich, die bis zur Reichsgründung 1871 nahezu jedem das Ausüben medizinischer Tätigkeiten erlaubte. Parallel entstanden weitere Richtungen: Johann Gottlieb Rademacher (1752–1850) propagierte eine „Erfahrungsheillehre“, die scheidekünstlerische Ansätze mit empirischen Beobachtungen verband. In Italien entwickelte der Adlige und Politiker Cesare Mattei (1809–1896) die Elektrohomöopathie. Er behauptete, „vegetabilische Elektrizität“ extrahieren und in Milchzuckerkügelchen konservieren zu können. Nach seinem Tod erwiesen sich die geheimen Tinkturen als spagyrisch vergorene Pflanzenauszüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spagyrik im 20. Jahrhundert – prominente Vertreter und firmengebundene Systeme ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_b4708e3f_300px-Chemtrail_Spagyrik.jpg|thumb|right|Spagyrik im 20. Jahrhundert – prominente Vertreter und firmengebundene Systeme]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierten sich mehrere Schulen, die bis heute firmengebunden existieren. Alexander von Bernus (1880–1965) gründete 1923 das Laboratorium Soluna in Donauwörth und integrierte neben klassischen spagyrischen Schritten auch anthroposophische Ansätze; charakteristisch ist der Einsatz von Metallen und Mineralien. Walter Strathmeyer (1899–1969) konzentrierte sich auf Hefeauszüge und Gärpresssäfte, die heute unter der Bezeichnung „spag. Strathmeyer“ vertrieben werden. Johann Conrad Glückselig (1864–1934) verzichtete auf Veraschung und Gärung, setzte stattdessen schonendes Auslaugen sowie zugesetzte anorganische Salze. Nach 1945 kamen weitere Systeme hinzu: Theodor Krauß verband Elektrohomöopathie mit pflanzlicher Spagyrik, Peter Beyersdorff entwickelte für die Firma PEKANA ein Verfahren, das sich heute homöopathisch-spagyrisch nennt. Die Herstellungsvorschriften von Zimpel, Glückselig, Bernus, Strathmeyer, Krauß und Pekana sind als Monographien im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) festgeschrieben; damit unterliegen die Fertigpräparate denselben verkaufsrechtlichen Erleichterungen wie homöopathische Arzneimittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nationalsozialistische Menschenversuche und juristische Nachwirkungen ==&lt;br /&gt;
Während der NS-Zeit fand Spagyrik eine zwielichtige Hochkonjunktur. Der Heilpraktiker und SS-Mann Karl Hann von Weyhern, der unter anderem Heinrich Himmler behandelte, glaubte mit spagyrischen Mitteln Tuberkulose kurieren zu können. Auf Betreiben Himmlers wurden zwischen 1941 und 1942 im Konzentrationslager Dachau rund 150 Häftlinge in ein entsprechendes Behandlungsprogramm einbezogen. Die Diagnose erfolgte durch Iridologie; über Todesfälle existieren keine schriftlichen Protokolle. Nach Kriegsende wurde von Weyhern 1948 entnazifiziert und arbeitete bis in die 1950er-Jahre als Heilpraktiker in Olching. Die Verstrickung führte jedoch nicht zu einer gesetzlichen Einschränkung spagyrischer Mittel; im Gegenteil gelang es Anbietern in den 1950er-Jahren, einige Rohstoffe in das HAB einzubringen und damit eine dauerhafte Ausnahme vom allgemeinen Wirksamkeitsnachweis zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moderne Vermarktung, neue Varianten und wissenschaftliche Bewertung ==&lt;br /&gt;
Heute vertreiben zahlreiche Firmen unter Bezeichnungen wie „Soluna“, „Strath“, „Pekana“ oder „ISO-Arzneimittel“ zubereitete Tinkturen, Globuli und Flüssigextrakte. Die Produkte dürfen ohne klinische Wirksamkeitsstudien in den Verkehr gebracht werden, sofern sie die HAB-Vorgaben erfüllen. Eine neuere Spielart ist die sogenannte Clustermedizin des Heilpraktikers Ulrich-Jürgen Heinz. Dabei werden Blut- oder Urinproben kristallisiert; entstehende Muster sollen Rückschlüsse auf Erkrankungen, Vitaminmangel oder Persönlichkeitsstrukturen erlauben. Die Stiftung Warentest stuft spagyrische Verfahren zusammenfassend als „nicht wirksam“ ein, da belastende Studien fehlen. Pharmakologisch lassen sich für die aufwendig destillierten bzw. veraschten Präparate keine nennenswerten Wirkstoffkonzentrationen nachweisen; die meisten heute angebotenen Zubereitungen enthalten lediglich wasserdampfflüchtige Pflanzeninhaltsstoffe und lösliche Mineralsalze. Dennoch existiert ein kontinuierlicher Markt, der sich überwiegend im esoterisch geprägten Naturheilmittelbereich bewegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
# [http://www.homotox.de/cms/docs/doc50090.pdf Joachim Bandlow: TAM, traditionelle abendländische Medizin 2010]&lt;br /&gt;
# [http://www.sueddeutsche.de/wissen/teil-spagyrikclustermedizin-vergebliche-suche-nach-dem-universalmittel-1.923406 Colin Goldner: Spagyrik/Clustermedizin: Vergebliche Suche nach dem „Universalmittel&amp;quot;, SZ Wissen 13.05.2010]&lt;br /&gt;
# [https://edzardernst.com/2023/05/spagyric-medicine-and-its-infamous-nazi-past Edzard Ernst: Spagyric medicine and its infamous Nazi past]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Veröffentlichungen ==&lt;br /&gt;
* Homöopathisches Arzneibuch 2009 (HAB 2009). Amtliche Ausgabe&lt;br /&gt;
* Ingrid Kästner: Spagyrik im medizinhistorischen Kontext. In: Nova Acta Paracelsica 13, S. 185-216&lt;br /&gt;
* Stiftung Warentest (Hrsg.): Die andere Medizin. Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden, 4. Aufl.&lt;br /&gt;
* Hans-Josef Fritschi: Spagyrik. Lehr- und Arbeitsbuch&lt;br /&gt;
* Axel Helmstädter: Spagyrische Arzneimittel. In: Wolf-Dieter Müller-Jahnke, Jürgen Reichling (Hrsg.): Arzneimittel der Besonderen Therapierichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pseudomedizin]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Esoterik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Homöopathie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Faktenradar Redakteur</name></author>
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