<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://faktenradar.net/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Bemer</id>
	<title>Bemer - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://faktenradar.net/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Bemer"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://faktenradar.net/index.php?title=Bemer&amp;action=history"/>
	<updated>2026-05-11T10:22:36Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Faktenradar</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://faktenradar.net/index.php?title=Bemer&amp;diff=934&amp;oldid=prev</id>
		<title>Faktenradar Redakteur: Artikel «Bemer» angelegt/aktualisiert</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://faktenradar.net/index.php?title=Bemer&amp;diff=934&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-05-10T23:15:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Artikel «Bemer» angelegt/aktualisiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;Die Bemer-Therapie nutzt schwache, gepulste Magnetfelder und wird mit Verbesserungen der Mikrozirkulation beworben. Gerichtsurteile und Studienlage werfen jedoch Fragen auf, während der Vertrieb über ein Netzwerk unabhängiger Partner läuft.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Technische Grundlage und behauptete Wirkung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_e89e05d6_320px-BemerGeraete.jpg|thumb|right|Technische Grundlage und behauptete Wirkung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abkürzung „Bemer“ steht für „Bio-Elektro-Magnetische Energie-Regulation“. Das System erzeugt gepulste elektromagnetische Felder (PEMF) mit einer maximalen magnetischen Flussdichte von rund 100 Mikrotesla. Kernstück ist ein Steuergerät, an das unterschiedliche Applikatoren – Matten, Kissen oder lichtdurchlässige Module – angeschlossen werden können. Die Behandlungsdauer liegt typischerweise zwischen acht und zwanzig Minuten, wobei Anwender ein bis zwei Sitzungen pro Tag durchführen. Als Alleinstellungsmerkmal gilt ein bestimmtes Impulsmuster, das aus aufeinanderfolgenden Sinushalbwellen unterschiedlicher Amplitude besteht. Diese Signalkonfiguration geht auf Arbeiten des Berliner Gefäßforschers Rainer Klopp zurück, der in einer kleinen Studie an 36 Probanden eine Zunahme der Mikrozirkulation im Hüft- und Rektalgewebe nach zweimal zehn Minuten täglicher Applikation über 27 Tage berichtete. Ob und wie sich dieser Befund auf den klinischen Gesamtzustand überträgt, ließ die Veröffentlichung aus dem Jahr 2007 offen. Die europäische Patentschrift EP 0995463 B1 beschreibt die Signalform, ohne jedoch einen biophysikalischen Wirkmechanismus zu erklären, der die angebliche Überlegenheit gegenüber anderen PEMF-Mustern belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Studienlage und Evidenz ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_e89e05d6_BemerPferd.jpg|thumb|left|Studienlage und Evidenz]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fachdatenbank PubMed lassen sich bislang weniger als zehn kontrollierte Untersuchungen finden, die explizit das kommerzielle Bemer-System verwenden. Eine randomisiert-kontrollierte Doppelblindstudie an 60 Fibromyalgie-Patienten ergab nach sechs Wochen weder für Schmerzintensität noch für Schlafqualität oder Lebensqualität signifikante Unterschiede gegenüber Placebo. Ebenfalls keine signifikanten Effekte zeigte eine 2022 erschienene Tierversuchsstudie an acht Pferden, bei der Bewegungsumfang und Lahmheitsgrad nach dreiwöchiger Magnetfeldbehandlung nicht über Zufallsergebnisse hinausgingen. Positive Berichte stammen überwiegend aus Fallserien oder Kongressbeiträgen ohne Kontrollgruppe. Die 2023 in der Clinical Research in Cardiology veröffentlichte Beobachtungsstudie der Universitätsklinik Halle verglich retrospektiv Daten von 42 Intensivpatienten mit historischen Kontrollwerten und beschrieb einen tendenziell geringeren Organversagens-Score. Da weder Randomisierung noch Verblindung erfolgten und ein Ko-Autor zugleich Schulungsreferent der Firma Bemer ist, werteten Post-Publication-Kommentare das Design als hochgradig verzerrt. Die europäische Kardiologengesellschaft nahm die Arbeit nicht in ihre Leitlinien auf. Insgesamt fehlt bis heute eine unabhängige, präregistrierte Multizenterstudie, die einen klinisch relevanten, über Placebo hinausgehenden Nutzen belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gerichtliche und behördliche Bewertungen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_e89e05d6_300px-BemerFormelAlt.png|thumb|right|Gerichtliche und behördliche Bewertungen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere deutsche Gerichte urteilten in den letzten Jahren über Werbeaussagen der Bemer Int. AG. Das Oberlandesgericht Koblenz entschied 2016, dass die Bezeichnung „Immunsystem aktivieren“ und „Selbstheilung fördern“ ohne hinreichende wissenschaftliche Evidenz unzulässig sei; die bloße Formulierung „wissenschaftlich nicht abschließend belegt“ reiche nicht aus, wenn gleichzeitig Erfolgsmeldungen präsentiert würden. Das Landessozialgericht Baden-Württemberg lehnte 2017 einen Kostenerstattungsanspruch für ein Bemer-Pro-Set ab, weil das Gerät weder eine drohende Behinderung verhindere noch eine laufende ärztliche Therapie sichere und damit nicht den Kriterien eines Hilfsmittels nach § 33 SGB V genüge. Das Oberlandesgericht Frankfurt stützte sich 2018 auf ein Gutachten der Stiftung Warentest und untersagte die Bewerbung als „elektromagnetische Gefäßtherapie“, weil sich Wirksamkeit und therapeutischer Nutzen für Wund- oder Muskellähmungen nicht belegen ließen. Das Landgericht Hamburg folgte 2023 dieser Rechtsprechung und stufte zentrale Werbehinweise als irreführend im Sinne des Heilmittelwerbegesetzes ein; die Berufung hiergegen ist noch anhängig. Zusammenfassend zeichnet sich eine einheitliche Rechtsprechung ab, die wirkungsbezogene Allgemeinaussagen für unzulässig hält, solange keine belastbaren klinischen Daten vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vertriebsstruktur und Unternehmenshintergrund ==&lt;br /&gt;
Die Bemer Int. AG mit Sitz in Triesen, Liechtenstein, ging 1998 als „Innomed International AG“ hervor und firmierte 2010 um. Laut eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen rund 35 Mitarbeiter am Stammsitz, verfügt aber über mehr als zehntausend unabhängige Vertriebspartner in über 40 Ländern. Die Akquise richtet sich gezielt an Privatpersonen ohne medizinische Ausbildung; nach einem mehrtägigen Seminar erhalten sie die Bezeichnung „Medizinprodukteberater“. Die jährliche Lizenzgebühr beträgt 180 Euro, eine Verkaufspflicht besteht nicht. Interne Schulungsunterlagen sprechen von „einfachem MLM mit zwei Downlines“, was auf ein strukturiertes Netzwerkmarketing hindeutet. Firmengründer Peter Gleim, ehemaliger Profiboxer, war in den 1980er-Jahren wegen des Schneeballsystems „Gem Collection Cosmetics“ verurteilt worden; in den 1990er-Jahren vertrieb er über die Funworld AG sogenannte Magnet-Waschkarten. Die Produkte selbst tragen das CE-Kennzeichen der Klasse IIa und sind in den USA bei der FDA als „biofeedback device“ registriert – Zertifizierungen, die ausschließlich Sicherheits- und Qualitätsstandards betreffen, nicht jedoch eine nachgewiesene Wirksamkeit garantieren. Der aktuelle medizinische Direktor ist der Allgemeinmediziner Wolfgang Bohn, wissenschaftliche Beraterfunktionen übernahm bis zu seinem Tod 2019 Rainer Klopp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichbare Angebote und Marktumfeld ==&lt;br /&gt;
Neben Bemer existieren zahlreiche weitere PEMF-Systeme, die teils höhere Flussdichten bis zu zehn Millitesla erzeugen. Die Dr. Goettfert Systems GmbH aus Prien am Chiemsee berief sich ebenfalls auf Klopps Mikrozirkulationsforschung, bis das Landgericht Düsseldorf 2010 eine einstweilige Verfügung gegen Werbung mit „signifikanter Steigerung der Mikrozirkulation“ erließ. Der Nachweis einer klinisch relevanten Wirkung sei nicht erbracht, hieß es in der Begründung. Ebenfalls mit schwachen gepulsten Magnetfeldern arbeiten Geräte wie Centropix, eine 2018 gegründete Firma des langjährigen Bemer-Vorstandsmitglieds Nik Gleim. Die Geräte unterscheiden sich in Frequenzbandbreite und Intensität, gemeinsam ist ihnen jedoch, dass randomisierte Studien mit krankheitsrelevanten Endpunkten fehlen. Die europäische Gesellschaft für Hyperthermie und angrenzende Verfahren listet PEMF derzeit weder in onkologischen noch orthopädischen Leitlinien. Für Patienten bedeutet dies, dass Kosten für solche Systeme – Anschaffungspreise für Bemer-Geräte liegen zwischen 4.000 und 6.000 Euro – von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
# [https://www.accessdata.fda.gov/scripts/cdrh/cfdocs/cfRL/rl.cfm?id=330142 Eintrag Bemer-Geräte in der FDA-Datenbank]&lt;br /&gt;
# [https://www.test.de/Magnetfeldtherapie-1816403-0/ Stiftung Warentest-Bericht „Magnetfeldtherapie“ (2017)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Veröffentlichungen ==&lt;br /&gt;
* [https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/bem.22127 Multicenter randomised double-blind placebo-controlled trial of Bemer therapy in fibromyalgia]&lt;br /&gt;
* [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35114491/ Pulsed electromagnetic field therapy in horses: a placebo-controlled study]&lt;br /&gt;
* [https://link.springer.com/article/10.1007/s00392-023-02293-2 Retrospective analysis of organ failure scores after electromagnetic field application in critically ill patients]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
# [https://www.ratgeberrecht.eu/wettbewerbsrecht-aktuell/unzulaessige-bewerbung-einer-magnetfeldtherapie.html OLG Koblenz, Urteil vom 20.01.2016 – 9 U 1181/15, juris]&lt;br /&gt;
# LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 20.01.2017 – L 4 KR 3935/16&lt;br /&gt;
# OLG Frankfurt, Beschluss vom 13.12.2018 – 6 W 97/18&lt;br /&gt;
# [https://www.landesrecht-hamburg.de/bsha/document/JURE235008675 LG Hamburg, Urteil vom 19.01.2023 – 315 O 137/21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pseudomedizin]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Strukturvertrieb]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Esoterik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Faktenradar Redakteur</name></author>
	</entry>
</feed>