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	<title>Übersäuerung - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-05-11T15:53:11Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Faktenradar</subtitle>
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		<id>https://faktenradar.net/index.php?title=%C3%9Cbers%C3%A4uerung&amp;diff=1147&amp;oldid=prev</id>
		<title>Faktenradar Redakteur: Artikel «Übersäuerung» angelegt/aktualisiert</title>
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		<updated>2026-05-10T23:26:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Artikel «Übersäuerung» angelegt/aktualisiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;Der Begriff „Übersäuerung“ begegnet häufig in Ratgebern und alternativen Heilkreisen. Dahinter verbirgt sich selten eine echte Azidose, sondern ein pseudomedizinisches Konstrukt. Was der pH-Wert wirklich aussagt – und was nicht.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was Ärzte unter Azidose verstehen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_7fb40421_Uebersaeuerung.jpg|thumb|right|Uebersaeuerung.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Intensivmedizin signalisiert ein pH-Wert unter 7,35 im arteriellen Blut eine lebensbedrohliche Azidose. Derartige Stoffwechsel- oder Atmungsentgleisungen treten bei schweren Grunderkrankungen wie Lungenversagen, diabetischem Koma oder Kreislaufschock auf. Die Regulation des Säure-Basen-Haushalts ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von Blutpuffern, Lunge und Niere; es hält den pH-Wert des Blutes auf 7,4 ± 0,05. Erst wenn diese Systeme versagen, entsteht eine messbare Azidose, die sich unter anderem durch die charakteristische Kußmaul-Atmung äußert und intensivmedizinisch behandlungsbedürftig ist. Kurzzeitige pH-Schwankungen im Muskelgewebe – etwa bei anaerober Belastung – sind dagegen physiologisch und klingen in Ruhe innerhalb von Minuten ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Von der Säftelehre zum modernen Basenmythos ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_7fb40421_Sticks.jpg|thumb|left|Von der Säftelehre zum modernen Basenmythos]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung, Krankheiten entstünden durch „überschüssige Säuren“, reicht bis in die Antike. Hippokrates erklärte Erkrankungen durch eine fehlerhafte Mischung der Körpersäfte, im 17. Jahrhundert postulierte Sylvius ein Ungleichgewicht zwischen Säuren und Laugen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts griffen Howard Hay, Franz Xaver Mayr oder Alfred McCann den Gedanken auf und koppelten ihn von Ernährungsempfehlungen: Fleischkonsum werde das Blut „ansäuern“ und die Niere schädigen, lautete McCanns 1927 publizierte These. Alfred Pischinger schließlich popularisierte mit seinem „System der Grundregulation“ ein Modell, das bis heute in alternativen Lehrbüchern zitiert wird – ohne dass empirische Belege für eine systemische Übersäuerung durch Alltagskost existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Warum Urin- oder Speichel-Sticks keine Diagnose erlauben ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faktenradar_7fb40421_300px-Urin_pH_BMC_2010.jpg|thumb|right|Warum Urin- oder Speichel-Sticks keine Diagnose erlauben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Handel erhältliche pH-Teststreifen zeigen im Urin Werte zwischen 5 und 8, im Speichel ähnliche Bandbreiten. Diese Schwankungen sind normal und folgen einem circadianen Rhythmus, der durch Nahrungsaufnahme, Flüssigkeitsbilanz und Hormone gesteuert wird. Selbst ausgeprägte Azidosen lassen sich damit nicht zuverlässig erkennen, weil erst bei massiver Störung der Nierenfunktion der Urin-pH dauerhaft auffällt. Die Stiftung Warentest warnt deshalb ausdrücklich davor, morgendliche Urin-Werte unter 7,0 als Nachweis einer „latenten Übersäuerung“ zu verkaufen. Dennoch verbreiten einige Anbieter genau diese Behauptung – mit dem Effekt, dass gesunde Menschen verunsichert und anschließend teure Basenpulver oder „alkalisches Wasser“ abverkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pseudomedizinische Diagnose- und Therapiewelt ==&lt;br /&gt;
In der Alternativszene wird „Übersäuerung“ inflationär als Ursache für Krebs, Rheuma, Allergien oder chronische Müdigkeit genannt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, weil das Konstrukt weder klar definiert noch an objektive Messgrößen gebunden ist. Statt arterieller Blutgasanalysen werden häufig Speichel- oder Urin-Sticks verwendet, gelegentlich lichtmikroskopische Blutmorphologien oder sogenannte Bluttitrationen nach Jörgensen und Stirum. Da keine validen Referenzwerte existieren, kann praktisch jeder Befund als „Übersäuerung“ interpretiert werden. Die empfohlenen Gegenmaßnahmen reichen von basischen Diäten und Fastenkuren über Basenpulver bis zu Aderlässen – Verfahren, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist. Die Weltgesundheitsorganisation sowie nationale Fachgesellschaften führen derartige Konzepte nicht in ihre Leitlinien ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ernährung und Säure-Basen-Haushalt: Was Studien zeigen ==&lt;br /&gt;
Prospektive Bevölkerungsstudien wie die EPIC-Norfolk-Studie belegen, dass eine mit Obst und Gemüse reiche Kost den Urin-pH leicht anhebt und die renale Säureausscheidung verringert. Diese physiologische Reaktion ist jedoch kein Hinweis auf eine vorherige „Übersäuerung“ des Körpers, sondern Ausdruck einer normalen Regulation. Weder ein niedriger Urin-pH noch eine erhöhte Säureausscheidung korrelieren in Langzeitbeobachtungen mit Knochenfrakturen oder Verlust von Knochendichte. Auch für weitere behauptete Folgen – von Arteriosklerose bis Tumorwachstum – fehlen belastbare Daten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aus Gründen des allgemeinen Gesundheitsschutts eine pflanzenbetonte Kost, nicht jedoch zur „Entsäuerung“ des Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwischen Fakt und Fiktion: ein Fazit ==&lt;br /&gt;
Eine echte Azidose ist ein klar definierter, messbarer und potenziell lebensbedrohlicher Zustand, der ausschließlich bei schweren Erkrankungen auftritt und intensivmedizinisch behandelt wird. Dagegen ist das populäre Konzept einer chronischen oder „latenten“ Übersäuerung durch Alltagskost wissenschaftlich nicht haltbar. Die angebliche Diagnose beruht auf unzuverlässigen Sekundärparametern wie Urin- oder Speichel-pH und dient häufig als Einstieg für unwirksame oder überteuerte Produkte. Wer Symptome wie Müdigkeit, Sodbrennen oder Gelenkbeschwerden hat, sollte ärztlich abklären lassen, statt sich auf „Entsäuerungskuren“ zu verlassen. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse ist sinnvoll – nicht aber aus Gründen, die mit dem pH-Wert des Blutes zu tun haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
# [http://sciencebasedpharmacy.wordpress.com/2009/11/13/your-urine-is-not-a-window-to-your-body-ph-balancing-a-failed-hypothesis/ Science-Based Pharmacy – Your Urine is Not a Window to Your Body]&lt;br /&gt;
# [https://www.skeptic.com/reading_room/ph-mythology-separating-phacts-from-phiction/ Skeptic.com – pH Mythology: Separating pHacts from pHiction]&lt;br /&gt;
# [http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/554139/ Deutschlandradio Kultur – Die Geschichte der Basenkost]&lt;br /&gt;
# [http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=47498 Deutsches Ärzteblatt – Störungen des Säure-Basen-Haushalts]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Veröffentlichungen ==&lt;br /&gt;
* Welch AA, Mulligan A, Bingham SA, Khaw KT: Urine pH as indicator of dietary acid-base load. Br J Nutr. 2008;99(6):1335-43.&lt;br /&gt;
* Fenton TR et al.: Low urine pH and acid excretion do not predict bone fractures or loss of bone mineral density. BMC Musculoskelet Disord. 2010;11:88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
# [https://www.test.de/Uebersaeuerung-Darfs-etwas-sauer-sein-1304921-2304921/ Stiftung Warentest: Übersäuerung – Darf’s etwas sauer sein? Test.de, 2013.]&lt;br /&gt;
# [http://www.labor-werte.de/Gruppe_6.html Laborwerte.de – Referenzbereiche Blut-pH.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pseudomedizin]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ernährung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Desinformation]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Esoterik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Faktenradar Redakteur</name></author>
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